Schrecklich schön

Gertrud Bodenwiesers «Dämon Maschine» wird 100 Jahre alt. Die Choreografin Silke Grabinger, die auch mit Robotik arbeitet, hat das überlieferte Tanzdrama mit aktuellen Fragestellungen und zeitgenössischer Bewegung weitergeführt. Von Andrea Amort

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«Neues Wiener Journal», 30. Jänner 1924. Mit dem Autoren-Kürzel _r. gezeichnet, hatte er/sie offenbar nicht nur mit der Choreografin gesprochen, sondern auch eine Probe verfolgt.

Der zweite Teil des vierteiligen Tanzdramas «Gewalten des Lebens» – und nur der ist vor allem durch die Einstudierung zweier ehemaliger Bodenwieser-Tänzerinnen aus Wien nebst einer Notation und Filmmaterial erhalten – wird so beschrieben: «‹Dämon Maschine› […] soll die schreckliche Schönheit dieses langsam die menschliche Kraft verdrängenden Ersatzes bis zur Umwandlung des Menschen zum Maschinenbestandteil zeigen. Hier erschließt Frau Bodenwieser der mimischen Kunst tatsächlich ein ganz neues Gebiet. Ihre Phantasie erfand eine Darstellung für Kette, Schraube, Hebel, sie baut den Maschinendämon aus Menschenleibern, denen ihre Vision jede eigene Gedankenfunktion nimmt und sie dazu verdammt, Teile eines Ganzen mit immer sich gleichbleibender Tätigkeit zu sein. Die in ihrem ewigen Einerlei furchtbare Arbeit der menschlichen Hilfskraft bei einer Maschine ist hier phantastisch bis zur Umwandlung des Menschen in einen Maschinenbestandteil durchgeführt».

Und richtig war die Mutmaßung, dass diese «Dämon Maschine» ...

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Tanz Februar 2024
Rubrik: Traditionen, Seite 54
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