Salto vitale
Wie so oft in der Kunst: Die Innovation beginnt mit einer Rebellion, mit Wut, Protest, moralischem Aplomb. «Missbrauch in der Manege!», tönt es in den 1970er-Jahren. «Lebenslanges Leid!» Es sind die Tierschutzverbände, die anklagend mit den Fingern auf die Wanderzirkusse zeigen: Raubkatzen, Elefanten, Robben, ja sogar Krokodile als Showacts? Das ist Tierquälerei. Ab jetzt muss jeder ein schlechtes Gewissen haben, der einen Löwen durch einen Feuerring springen sehen will.
Denn das war Zirkus bis dahin doch: Menschen, Tiere, Sensationen! Akrobaten hoch unter der Zelt-Decke im Glitzerkostüm. Der Duft von Sägespänen, Pferdeäpfeln, Popcorn. Ein Clown stolpert und begreift nicht, warum. Und ein Löwe reißt bedrohlich sein Maul auf. Zirkus – ein Mischmasch aus Mensch-Tier-Dressuren in der Arena, dem «runden Ungetüm in bunten Farben», wie der Theaterkritiker Alfred Kerr lästerte. Und dahinter ein Leben in schäbigen Wohnwagen. Die schmuddelig-tragische Welt des Wanderlebens und der Familiendynastien, die ihre Kunst von Generation zu Generation weitergaben. In Filmen und Romanen lebt dieses Klischeebild bis heute fort. Noch immer greifen Autoren und Regisseure auf die 1920er-Jahre zurück, ...
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Tanz April 2024
Rubrik: Zeitgenössischer Zirkus, Seite 48
von Nicole Strecker
As Smooth as silk! Mit dem kostbaren Gewebe einher gehen hohe Erwartungen, Neugier und Vorfreude auf den neuen Tanzabend des Dance Theatre Heidelberg, der im Pressetext insbesondere die Fusion von Tanz und Mode verspricht. Inspiriert von Textur und Eleganz von Seide, muss die bewährte künstlerische Kollaboration zwischen Ballettchef Iván Pérez und dem spanischen...
CD des Monats
DANCE!
«Jeder Mensch ist ein Tänzer», das hat schon vor Jahrzehnten Rudolf von Laban behauptet. Und auch Daniel Hope ist der Überzeugung, «dass jeder Mensch tanzen kann». Eine der beiden CDs aufgelegt, und jede(r) merkt, dass sie oder er «die Bewegung zur Musik in sich trägt». Mit «Dance!» führt der Geiger und Dirigent spielend den Beweis, dass das...
Die Tanzausbildung ist weltweit auf hohem Niveau. Man lernt, was ein Épaulement ist und was ein Soubresaut, man lernt, Stand- und Spielbein miteinander in Beziehung zu setzen, und man lernt, in welchen ästhetischen Traditionen man sich hier bewegt und welche Inhalte sich dabei vermitteln. Was man nicht lernt: Steuerrecht. Altersvorsorge. Rechte und Pflichten als...
