riskantes spiel

Niki de Saint Phalle und ihre Nanas.

«Nana Balloon» wirft ein Bein in die Luft, als wäre das nichts. Als wäre das Fleisch nicht schwer, als riskiere sie nicht, die Balance zu verlieren. Dabei ist ihr Stand ohnehin sehr fragil – nur ein winziger Punkt der Berührung verbindet Körper und gewölbtes Sockelblech. Unbekümmert ist dieser Körper, der Erdenschwere ebenso trotzend wie den klassischen Mustern der Bildhauerei. «Nana Balloon» kennt keine Angst, nicht vor dem Fall und dem damit verbundenen Schmerz, nicht vor den Blicken und dem Gelächter. So viel knallige Selbstbehauptung garantiert Beachtung.

Dafür sorgt auch das Kostüm, rot, blau und weiß geringelt, wie bei einem Artisten.

«Nana Balloon» − eigentlich «Nana au ballon» −, die gleich einen Ball werfen wird, ist eine der vielen Nana- Skulpturen, mit denen Niki de Saint Phalle (1930 bis 2002) ab Mitte der 1960er-Jahre weltberühmt wurde. Sie alle wirken stark, kraftvoll, aktiv, dynamisch, bunt, frech – und wurden so ungeheuer populär. Zugleich sind sie sehr raffiniert, denn die ausgedehnte Oberfläche mit den fröhlichen Mustern überspielt das Überbordende, Wuchernde, ja vielleicht sogar Furchterregende ihrer Leiblichkeit, das Monströse ihrer Dimensionen. Sprechen diese ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2016
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Katrin Bettina Müller

Weitere Beiträge
53° N
 völker wandern

«Kein schöner Land» heißt es im Lied, und alle singen. Doch die Frage, die sich die Ensemblemitglieder der Deutschen Tanzkompanie im «Ersten Wanderbild» stellen, lautet eigentlich ganz anders: «Woher kommen wir?» Schier endlos ist der Zug, sobald sich nach einem Prolog der Vorhang öffnet, und jeder trägt sein Fähnlein vor sich her, wie bei den Olympischen Spielen...

Vorschau

im juni: der tanzkongress
Ziemlich genau zur Halbzeit des Tanzjahrs 2016 nimmt die Kulturstiftung des Bundes ihren entsprechenden Leuchtturm wieder in Betrieb: Vom 16. bis zum 19. Juni findet rund um die Staatsoper Hannover der Tanzkongress statt, der Praxis und Theorie des Fachs zusammendenken plus ihre jeweiligen Vertreter zusammenbringen will. Die...

serie master-macher

Gleich neben dem Kaffeeautomaten, in einer Vitrine, sind sie zu besichtigen, alte Original-Instrumente aus der Münchner Zeit von Dorothee Günther und Carl Orff: Zimbeln, Trommeln und ein auf Halbtöne gestimmtes Xylofon. Zeugnisse einer Tanzschule, die Günther 1924 gegründet hatte mit dem Ziel, schöpferische Kräfte durch umfassende Bildung freizusetzen. Selbst im...