Krefeld on tour: Reut Shemesh «Atara»

Die dunklen Röcke reichen bis übers Knie, die Hemden bedecken Schlüsselbein und Ellbogen, die Haare sind unter einer Perücke versteckt. Die beiden Tänzerinnen Hella Immler und Tzipi Nir fügen sich in die Konvention. Sie sind von Kostümbilderin Marie Siekmann gekleidet wie orthodoxe jüdische Frauen, deren Bräuche ins 18. Jahrhundert zurückreichen.

Sie – und später der ebenfalls in Rock, Hemdbluse und Perücke auftretende Florian Patschovsky – bewegen sich im jüngsten Stück von Reut Shemesh – «Atara», uraufgeführt bei «Tanzhochdrei» in Hamburg – fast durchweg im Gleichklang, ohne Berührungen. Präziser chassidischer Volkstanz, mal miteinander, mal nebeneinander getanzt, rhythmisch, klatschend, hin und wieder stampfend. Im steten Wechsel zwischen folkloristischer Wucht und leichtem, sittsam-mädchenhaften Hüpfen bewegen sie sich durch den leeren Raum. Synchron, fast puppenhaft verbinden sie beengende Mechanik mit routinierter Leichtigkeit. Trotz  – oder gerade wegen – all dieser Präzision wirken die drei wie gefangen in ihren Körpern und Ritualen. 

«Atara – For you, who has not yet found the one» hat die israelische Choreografin ihr Stück genannt. Sie erzählt vom Alltag, von Regeln, ...

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Tanz Mai 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Katrin Ullmann