Gehen genügt

Steve Paxton gehörte einst zum New Yorker Tanzlabor namens Judson Dance Theater. Viele betrachten ihn als eine Art Guru, der auch mit 80 Jahren noch eine Menge zu sagen hat.

Ende März hielt der legendäre US-amerikanische Tänzer und Choreograf Steve Paxton am Brüsseler Kulturzentrum Bozar einen Vortrag – Gelegenheit für ein Gespräch mit einem der wichtigsten Wegbereiter des postmodernen Tanzes. Anlass des Auftritts war nicht nur die aktuelle Installation «Phantom Exhibition», die auf Paxtons DVD «Material for the Spine» (2008) fußt, sondern auch das Erscheinen des Buches «Gravity», in dem der mittlerweile 80-Jährige seine Gedanken über die Zusammenhänge von körperlicher Sinnesempfindung und Bewegung darlegt.

Die monumentale Horta Hall war rappelvoll, was beweist: Steve Paxton genießt nach wie vor ein enormes Ansehen, ja eine Art Guru-Status – und das sicher nicht nur in Belgien.   

Paxton war zunächst Ende der 1970er-Jahre in Brüssel mit einem Solo vorstellig geworden, doch erst nachdem das dortige Kaaitheater sowie das in Leuven beheimatete Klapstuk-Theater Improvisationsabende und Paxtons Stück «Ave Nue» (1985) gezeigt hatten, -begann sich eine rasch wachsende belgische Paxton-Fangemeinde zu formieren. An diesem Stück war auch Patricia Kuypers, Gründungsmitglied der Brüsseler Tanzorganisation Contre-danse, beteiligt. In der Folge sollte sich ...

Steve Paxton, 1939 in Phoenix, Arizona geboren, zählt der Tänzer, Choreograf und Bewegungsforscher Steve Paxton zu den einflussreichsten Neuerern des Gegenwartstanzes. Früh fiel er als talentierter Sportgymnast auf, entdeckte jedoch bald seine eigentliche Leidenschaft – das Tanzen. Ende der 1950er-Jahre ging er nach New York, sammelte Erfahrung in den Kompanien von José Limón und Merce Cunningham. Zugleich baute Paxton seine eigenen choreografischen Ansätze aus und wurde Gründungsmitglied des experimentellen Judson Dance Theater in Manhattan. Sein Interesse galt (und gilt bis heute) vor allem dem künstlerischen Potenzial von Alltagsbewegungen wie Gehen, Stehen, Sitzen – und der Biomechanik, die ihnen zugrunde liegt. Entsprechend beruhen seine Choreografien, sowohl Soli wie größere Werke, auf der intensiven Erforschung, Bearbeitung und Erweiterung physischer Möglichkeiten. Große Bekanntheit erlangte vor allem Paxtons Anfang der 1970er-Jahre entwickelte Methode der «Contact Improvisation», bei der Tanzpartner – etwa über Berührung und Gewichtsverlagerung – eine dynamische Interaktion entwickeln, die viel mit Achtsamkeit und empathischer Reaktionsfähigkeit zu tun hat. Das Körperverständnis, das dafür den Ausschlag gibt, hat Paxton mit der DVD «Material for the Spine» einem großen Publikum zugänglich gemacht. Denn seine Methodik will der inzwischen 80-Jährige ausdrücklich nicht nur professionellen Tänzern, sondern allen Interessierten zur Verfügung stellen. ...

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Tanz Mai 2019
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Pieter T‘Jonck