Jumpology

Philippe Halsman und seine Springer.

Verbirgt das Gesicht unser inneres Selbst? Das fragte sich Philippe Halsman, einer der großen Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Und was passiert, wenn man die dichte, förmliche Studio-Situation auflöst und das erschöpfte Modell in Bewegung bringt, zum Springen? Dann konzentriert sich die Person auf den Sprung, sie kontrolliert nicht mehr den Ausdruck, die Maske fällt. Das eigentliche Selbst blitzt auf und kann auch noch mit einer Kamera festgehalten werden.

Bekanntermaßen sind psychoanalytische Methoden langwierig und kostspielig, ein enthüllender Sprung dagegen – ist kurz und preiswert. So bat Halsman seine berühmten Modelle, nach der Fotosession für ihn zu springen. Seine Erfindung nannte er Jumpology und präsentierte sie im wundervoll vergnügten «Jump Book» (1959). Innerhalb von zehn Jahren sind etwa 200 Sprungbilder entstanden, die der Autor uns mit einer überzeugenden, verschmitzt-psychologischen Analyse der Sprünge übergibt. Der frisch initiierte Jumpologe kann sofort und mühelos die Methode anwenden und die Position der Arme und Beine interpretieren. Halsman: «Die energiegeladenen Springer gehören in zwei Gruppen: der Ausstrecker und der Hinhocker. Der Ausstrecker ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Marina Dafova