Parkett International: Italien
In einer Welt ohne Covid-19 hätte die italienische Festival-Saison Anfang Juni begonnen, und wir könnten nun fleißig Neuproduktionen beurteilen. Stattdessen leben wir in einer Zeit der Unsicherheit und des Stillstands, den nicht allein die Pandemie verursacht hat, sondern mehr noch die uneindeutige Haltung der Politik gegenüber den performativen Künsten.
Schon ganz zu Anfang des Lockdowns erwies sich der italienische Kulturminister Dario Franceschini als komplett unfähig, einen Fahrplan zu entwickeln, um der Krise zu begegnen, die im Theatersektor landesweit immerhin mehr als 300 000 Menschen betrifft. Stattdessen lud Franceschini Künstlerinnen und Künstler lediglich dazu ein, «die virtuelle Bühne als Chance zu nutzen» und erklärte, dass er sich so etwas wie «ein Netflix der Performing Arts» vorstelle. Ein merkwürdiges Statement, das denn auch vielerorts auf Argwohn stieß: Anstatt eine Strategie zu entwickeln, um die kulturellen Institutionen des Landes zu unterstützen (die übrigens eine nicht zu unterschätzende ökonomische Ressource für den Staatshaushalt darstellen), fiel dem Minister nichts weiter ein, als dieser seltsame Kommentar. Was meinte er damit wirklich? Hatte er ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Parkett International, Seite 140
von Silvia Poletti
An einem Mittwochmorgen sitze ich um sieben Uhr mit meinem Laptop im Garten, umgeben von einem grünen Dschungel. Absolute Stille. Ein makellos blauer Himmel. Amseln und Rotkehlchen zwitschern. Zum ersten Mal seit 35 Jahren im Homeoffice erlebe ich als im Theater tätige Ehefrau und Mutter zweier Kinder fast einen ganzen Frühling vom frühen Morgen bis zum späten...
An einem dieser endlos langen Abende ohne jede Theateraussicht tut sich plötzlich mitten im Lockdown ein fremdes Fenster auf. Paris liegt uns zu Füßen, mittendrin der Eiffelturm, rund herum glitzernde Dächer und prachtvolle Fassaden – eben die ganze Schönheit, die der ehrgeizige Baron Haussmann der französischen Kapitale im 19. Jahrhundert verpasst hat. Das...
Ich zitiere sehr häufig einen Satz aus Amin Maaloufs Buch «Le Dérèglement du Monde» («Die Auflösung der Weltordnungen»): In Krisenzeiten sollte man (viel mehr!) in Kultur, Wissenschaft und Bildung investieren, denn kreative Lösungen dürfen wir von den Banken nicht erwarten.
Das ist alles.
Weitere Antworten auf die Frage, was bestehen bleiben muss und was sich...
