Parkett International: Italien
In einer Welt ohne Covid-19 hätte die italienische Festival-Saison Anfang Juni begonnen, und wir könnten nun fleißig Neuproduktionen beurteilen. Stattdessen leben wir in einer Zeit der Unsicherheit und des Stillstands, den nicht allein die Pandemie verursacht hat, sondern mehr noch die uneindeutige Haltung der Politik gegenüber den performativen Künsten.
Schon ganz zu Anfang des Lockdowns erwies sich der italienische Kulturminister Dario Franceschini als komplett unfähig, einen Fahrplan zu entwickeln, um der Krise zu begegnen, die im Theatersektor landesweit immerhin mehr als 300 000 Menschen betrifft. Stattdessen lud Franceschini Künstlerinnen und Künstler lediglich dazu ein, «die virtuelle Bühne als Chance zu nutzen» und erklärte, dass er sich so etwas wie «ein Netflix der Performing Arts» vorstelle. Ein merkwürdiges Statement, das denn auch vielerorts auf Argwohn stieß: Anstatt eine Strategie zu entwickeln, um die kulturellen Institutionen des Landes zu unterstützen (die übrigens eine nicht zu unterschätzende ökonomische Ressource für den Staatshaushalt darstellen), fiel dem Minister nichts weiter ein, als dieser seltsame Kommentar. Was meinte er damit wirklich? Hatte er ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Parkett International, Seite 140
von Silvia Poletti
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden...
In der sechsten Woche der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Theater streamt das Hamburg Ballett «Tod in Venedig»: 2001 von John Neumeier choreografiert nach der Novelle von Thomas Mann. Es geht um einen Choreografen im von der Cholera bedrohten Venedig, er muss Abstand halten zu anderen Menschen. Aber Abstand ist ein Ding der Unmöglichkeit in der Kunst. Weil...
In den vergangenen Monaten ist das gesellschaftliche Leben jäh zum Erliegen gekommen, und in den Theatern rund um den Globus gingen die Lichter aus. Doch diese Dunkelheit hat paradoxerweise viele Missstände in unserem gegenwärtigen System erst wirklich sichtbar gemacht: Ungleichheit, die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich viele Menschen befinden, die...
