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«Cranko», ein Künstlerfilm: Ein Besuch bei den Stuttgarter Dreharbeiten

Einsam steht John Cranko vor dem Opernhaus, schaut über den menschenleeren Park aufs beleuchtete Stuttgart hinüber. In der Ferne kommt ein Tänzer ins Bild, dehnt suchend die Arme, hebt resigniert die Hände. Sechs Paare gleiten an ihm vorbei und scheinen ihn gar nicht zu bemerken. Seine tiefe Einsamkeit wird dem Choreografen hier zur Inspiration für sein Spätwerk «Initialen R.B.M.E.», das die Freundschaft zu seinen Tänzern zeigt – allen voran Richard Cragun, Birgit Keil, Marcia Haydée, Egon Madsen.

Friedemann Vogel verkörpert den damaligen Solisten Heinz Clauss und der britische Filmschauspieler Sam Riley spielt John Cranko. Joachim Lang ist der Regisseur und Spiritus Rector hinter dem Biopic, das eigentlich keines sein will, kein dokumentarisches Abbild, sondern ein Kunstfilm über einen Künstler: «Ich zeige ein Genie, das es wie kein anderer geschafft hat, mit seiner Kunstform die Wirklichkeit zu erfassen – wie ein Maler formt er mit Körperbewegungen. Dieses Genie mit all seinen Widersprüchen, all seinen Höhen und Tiefen ist untrennbar von der Biografie. Ich versuche, ihm in seinem Kopf zu folgen, in seinen Visionen, und bringe sein Leben mit seinem Werk sehr eng zusammen.» Immer ...

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Tanz Dezember 2023
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Angela Reinhardt

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