Montpellier on tour: Jefta van Dinther «The Quiet»

Soll keiner sagen, der zeitgenössische Tanz ignoriere die Bedürfnisse eines Publikums, das nach eines langen Tages Arbeit noch ins Theater geht, um in der Menge Mensch endlich Ruhe zu finden. Schon der Titel dieses Stücks lügt kein bisschen. Wenn fünf Damen im angenehmen Dämmerlicht der -Designerin Minna Tikkainen zum beruhigenden Sound von David Kiers gemächlich ihre Schritte schlenzen, entspannt der Geist, der Körper erholt sich. Was das Quintett auf der Bühne verrichtet, ist das Schaffen von Ordnung.

Ganz allmählich verlegt es zur Premiere im Berliner HAU einen Teppichboden aus Puzzleteilen von Cristina Nyffeler oder reißt ihn wieder auf. Das dürfte in etwa dem Lebensgefühl erschöpfter Angestellter entsprechen, die immerzu Aufgaben und Routinen exekutieren, Dateien erstellen oder löschen und somit genau das Gleiche tun wie die fünf Damen in ihren flauschigen Daunenwesten: also ununterbrochen dasselbe. Dinthers Lyrik vom Band regnet dazu gleichmäßig beruhigend auf die Performerinnen nieder, und auf uns, wie eine zarte Gute-Nacht-Geschichte. Der Sinn, nach dem niemand fragt, entgeht und verschwindet sanft in der Dunkelheit. Das ist: zeitgenössisch, ein Lebensgefühl, ein betäubtes ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann

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