monaco: carolyn carlson, bartabas: we were horses
Frankreich ist das Land mit der höchsten Kreisverkehrsdichte der Welt. 30.000 dieser Asphaltringe besitzt es, sagen Verkehrsexperten. Achtzig Prozent davon sind innerstädtisch, also im täglichen Blickfeld der Menschen. Auf den zentralen Inseln wird deshalb immer mehr Kunst installiert.
Jetzt hat das Land noch einen Kreisverkehr mehr, einen, auf dem sich Pferde und Fußgänger begegnen. Es gibt weder Verkehrsschilder noch Wegweiser, und statt aufheulender PS gibt es einen musikalischen Dauergalopp von Philip Glass.
In der Mitte traben die Tänzer, um sie herum rauschen die Reiter. Sie gruppieren sich, stürzen herein oder hinaus. Sie federn den Tänzern entgegen, hinterher oder voraus. Carolyn Carlsons Infanterie besetzt die Fußgängerzone.
Die Pferdestärken stellt Bartabas, der 2003 die Reiterakademie von Versailles gründete. Deren Absolventen sitzen in den Sätteln. Frauen reiten Hengste, anonym. Unter Carolyn Carlsons Tänzern finden sich dagegen so prominente Vollblüter wie Sara Orselli, die Primaballerina, und gestandene Choreografen wie Brahim Bouchelaghem oder Juha Marsalo, aber auch ein Jacky Berger, der zuletzt in Carolyn Carlsons Remake ihres Solos «Blue Lady» auftrat.
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Tanz Juli 2011
Rubrik: kalender, Seite 39
von Thomas Hahn
...ist vorerst der letzte Performer, Tänzer, Pädagoge, Choreograf, der beim schweizerischen internationalen Weiterbildungskurs (SiWiC) tätig sein darf. Der 15. und letzte SiWiC findet vom 2. bis 15. Juli im Tanzhaus Zürich statt. Er endet am 14. Juli mit einer offenen Probe und der Aufführung am 15. Juli. Gegründet wurde SiWiC 1997 von Richard Wherlock und Regina...
Gibt es das überhaupt, eine Kunst, die ganz und gar unpolitisch ist? Der Tanz als sprachlose Kunstform gilt schnell als unpolitisch; eine Bewegung oder eine Kombination lässt sich halt nicht als politische Aussage «lesen», der Körper an sich ist weder politisch noch unpolitisch. Dennoch ist es auch in der Tanzwissenschaft seit einiger Zeit beliebt, das Adjektiv...
Tuchfühlung ist ein wunderbares Wort. Die Kleider der beiden fremden
Damen im Aufzug knistern. Wir passen nur zu dritt in die enge Kabine.
Geburtstagsgeschenke baumeln an ihren Handgelenken. Ein Duft von
Narzissen steht in der Luft, die in den vierten Stock gefahren wird. An
der Wohnungstür: schüchternes Klingeln. Die Einladung enthielt das
Versprechen, es würde...
