Paris on tour: Mette Ingvartsen «Moving in concert»

Nein, diesmal geht es der dänischen Choreografin nicht um Pornografie, nicht um die Furcht vor Sexualität, die ihre pornografische Erfüllung in der Inszenierung von Sexualität finden will. Ihr geht es in diesem Stück darum, sich «konzertant zu bewegen», um die Betrachtung des Einflusses der Technik auf den Menschen.

Wir alle folgen «konzertant» bestimmten Regeln, die die Technik uns nahebringt: Wir suchen in fremden Räumen nach Lichtschaltern, achten auf der Straße auf Ampeln, drücken ohne Unterlass Knöpfe – und glauben sogar, wir müssten auf Knopfdruck und auf jeden Hinweis reagieren. Diese Vorstellung, dass Technik und Verhalten einander bedingen, legte vor Jahren die Philosophin Catherine Malabou nahe. Sie untersuchte die Fähigkeit des Hirns, sich plastisch, elastisch der Umwelt anzupassen. Das Hirn lernt immerzu Regeln, die von außen als Zeichen einwirken. Es reflektiert diese aber nicht abstrakt als Zeichen, die sie eigentlich sind, sondern als Regeln für ein Verhalten, das nicht infrage zu stellen ist. Wir glauben, dass ein Lichtschalter funktioniert. Wir glauben, bei Rot anhalten zu müssen. Und wir glauben den Medien, weil sie, in ihrer Totalität von Lichtzeichen, mit uns ...

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Tanz November 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann