Marguerite Donlon «Lorca»

Osnabrück

Tanz - Logo

So kann man sich natürlich auch gegen Kritik immunisieren. «Ich wurde geboren als Dichter, als Künstler. Lass’ mir meine Flügel» lässt Marguerite Donlon zu Beginn ihres jüngsten Tanzabends am Theater Osnabrück ein Zitat von Federico García Lorca einspielen und stellt so von vornherein klar: Es geht hier um Kunst, um etwas, das nicht fassbar ist mit den Kriterien des Diesseits, jeder Versuch der Einordnung, Analyse, Kritik wäre ein Stutzen der Flügel des Künstlers. Und das kann doch niemand wollen.

Weswegen schon die Feststellung, dass Donlon Lorca vor allem als Stimmungslieferant benutzt, verwerflich ist. Aber es hilft ja nichts: Anders als Olaf Schmidt, der mit seiner Lüneburger «Bluthochzeit» (tanz 6/22) voriges Jahr Lorcas Biografie in den Werken des andalusischen Dichters spiegelte, geht es hier in erster Linie um Bilder, die sich mal aus dem spanischen Gedichttext, mal aus deutschsprachigen Prosapassagen in Tanzszenen von berührender Schönheit verwandeln. Denn das kann Donlon: trotz der Einschränkungen eines sehr kleinen Ensembles (gerade mal sieben Tänzer*innen sind in «Lorca» besetzt) ein Gesamtkunstwerk schaffen, das Licht (Ernst Schießl), Video (Lieve Vanderschaeve) und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2023
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Wubkje Kuindersma, Johan Inger «Flight of Fancy»

Ein Wiegen, Schwimmen, Schweben. In Wubkje Kuindersmas «Resonance of Dreams» verwandelt sich das Kieler Ballettensemble in einen Schwarm, der sich zu den Klängen von Friedrich Heinrich Kern, Georgs Pelēcis, Alfred Schnittke und Pēteris Vasks organisch bewegt, mal synchron, mal bewusst gegenläufig, ein einziges An- und Abschwellen, vor dem Marina Kadyrkulova...

Architekt des Tanzes

Wer George Balanchine (1904 – 1983), den Mitbegründer und bis zu seinem Tod auch Leiter des New York City Ballet, als bedeutendsten Choreografen des 20. Jahrhunderts bezeichnet, wird kaum Widerspruch finden. Schwerer fiele es, seinen Rang und Ruhm gleich auszuweiten auf die ganze Ballettgeschichte. Wir wissen einfach zu wenig über Werk und Wirkung seiner frühen...

Highlights 5/23

Bern, Luzern
VELÁZQUEZ UND SWAN
Antonio de Rosa und Mattia Russo kennen sich aus mit getanzten Künstlerbiografien: Das unter dem Namen Kor’sia bekannte Duo hat in Bern schon eine Choreografie zu Paul Klee entwickelt, jetzt folgt Diego Velázquez. Spaniens bedeutendster Barockmaler versteckte in seinen Porträts verwirrende Symbolik und schuf so ein Werk voller...