Magisch
Kent Nagano, haben Sie vor Ihrer Begegnung mit John Neumeier eigentlich Ballettaufführungen dirigiert?
Ja, meistens dort, wo ich auch Musikdirektor an einem Theater war, also in Lyon und München. Ich schätze Ballett und Tanz sehr und ich finde es persönlich wichtig, als Chefdirigent in Häusern, die eine starke Opern-, Philharmonie- und Balletttradition haben, auch in allen drei Disziplinen präsent zu sein. Das stärkt nicht nur das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Da die Disziplinen in diesen Häusern eine gemeinsame Geschichte haben, spürt man das auch an gemeinsamen Grundlagen wie Rhythmus, Tempi, Farbe, Textur, dramatische Spannung, Bewegung. Aber halt, natürlich gab es noch einen Ballett-Moment in meinem Leben ...
… nämlich?
Als Student arbeitete ich als Ballettpianist, um nebenbei Geld zu verdienen. Dabei habe ich eine faszinierende, herausfordernde Aufführungskunst entdeckt und die immense Disziplin zu schätzen gelernt, die das Ballett verlangt – angefangen bei der Intensität der Aufwärmübungen. Als Begleiter durfte man kaum etwas verändern oder improvisieren. Die Perfektionierung kleinster Charaktervariationen durch das verlangte Repertoire war zeitweise außerordentlich ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Neumeier, Seite 104
von Manuel Brug
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