Magdeburg: Gonzalo Galguera «Diva»
Gonzalo Galguera glaubt an die Bedeutung von Diven, auch an ihren glamourösen Lifestyle in einer global uniformierten Welt. Mit seiner für klassische Handlungsballette hervorragend aufgestellten Truppe verführt er das hingerissene Magdeburger Pub-likum in acht Szenen, die von zwei raunenden Zwischenspielen unterbrochen werden, zum Nachdenken über das Leben einer Diva.
Es ist keine bestimmte der legendären Damen gemeint, selbst wenn Anastasia Gavrilenkova, die mit Leah Allen als körperliche Sehnsuchtsfläche alterniert, auf einem lasziv roten Lippensofa wie Marlene Dietrich zwischen männlichen Verehrern posiert.
Das Symbol auf dem Portalschleier sagt fast alles: In der Regenbogenhaut eines menschlichen Auges rotieren Räderwerke als Zeichen für Verlangen und Projektion – für die Maschinerie, die Diven produziert, die Aufstieg, Zenit, Fall und Vergessen steuert. Galgueras Choreografie ist vor allem Gruppenbild mit Dame und einigen prägnanten Accessoires, ohne Lieben und Leiden. Stille Tableaus wechseln ab mit klar gefassten Ensembleszenen.
Viel Glanz, kein Elend: Nie überschreitet die Choreografie ihre mit diffuser Aura selbstgesetzten Grenzen. Das liegt am dunkel-sehnigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2018
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Roland H. Dippel
Liebe. Krieg. Umweltkatastrophe und grüne Wälder – ganz unterschiedliche Zukunftsbilder tragen die 81 Tänzer in sich, die sich bis Juni 2019 bei «#Mensch» engagieren, dem neuen Partizipations-Projekt des Hessischen Staatsballetts. So lange gehen sie gemeinsam mit Ballettdirektor Tim Plegge und den Tanzpädagoginnen Sibylle Magel und Nira Priore Nouak- -der Frage...
Dem Brexit schaut die britische Tanzszene mit Bangen entgegen. Wie brenzlig die Lage ist, zeigt sich exemplarisch an Shechter II, der Junior-truppe des Choreografen Hofesh Shechter. Die Hälfte der acht Tänzer und Tänzerinnen kommt vom Kontinent, Zukunft ungewiss. Noch bis Ende des Jahres sind sie mit «Show» unterwegs, fürs Finale ist das Théâtre de la Ville in...
Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August 2017 in Kronstadt. Im ehemaligen Kulturhaus der Baltischen Flotte dreht der Regisseur Sequenzen seines neuen Films. Weniger ihm, als seiner engsten Mitarbeiterin steht der Stress der vergangenen Monate ins Gesicht geschrieben, auch die Stinkefinger-Brosche an ihrem Kleid kann darüber nicht hinwegtäuschen. Als der...
