Lauter Lügen
Das Literaturballett ist fast so alt wie die theatralische Tanzkunst selbst. Nicht nur, dass kein Geringerer als Molière für die Comédieballets des Sonnenkönigs verantwortlich zeichnete. Kaum dem Absolutismus entronnen und ins bürgerliche Königreich der Romantik eingetreten, feierte das Genre bereits mit «La Sylphide» einen frühen Triumph. Der erste Elementargeist, sozusagen Urahnin sämtlicher Elfenwesen im Ballettzauberwald, war der Feder des Romanciers Charles Nodier entsprungen.
«Giselle» trippelte dank Heinrich Heines Fantasie durchs Winzerdorf – und so ging es dahin, bis das 20. Jahrhundert mit Schöpfungen von Frederick Ashton, Kenneth MacMillan, John Cranko, John Neumeier, Roland Petit … die Liste ließe sich lange fortsetzen – einen Höhepunkt an den anderen reihte. Wer also als Vorlage für eine Ballettschöpfung auf Roman, Schauspiel, Dichtung verfällt, hat eine eminente Genealogie im Rücken. Das kann beflügeln oder zur Hypothek werden. Im Fall der Zürcher Ballettdirektorin Cathy Marston trifft beides zu.
Fantastische Bilder
Für ihre erste abendfüllende Kreation hat die seit Beginn der Spielzeit amtierende Britin sich Ambitioniertes vorgenommen: mit der Entscheidung, ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 4
von Dorion Weickmann
ALEX KATZ
In der Regel wird der Maler Alex Katz unter Pop Art und modernem Realismus eingeordnet. Tatsächlich gibt es in den Bildern des heute 96-Jährigen aber auch eine Verbindung zu den Darstellenden Künsten – in den 1960ern etwa entwarf er Bühnenbilder und Kostüme für die Paul Taylor Dance Company, eine gewisse Bühnennähe findet sich bis heute in seinen...
Was heißt es, wirklich wach zu sein? Wo sind wir, wenn wir träumen? Gibt es ein Dazwischen? Diese oder ähnliche Fragen müssen Reginaldo Oliveira, den choreografierenden Ballettdirektor des Landestheaters Salzburg, für seine Interpretation von «Dornröschen» beschäftigt haben. Entstanden ist ein Ballett, das sich zu unterhalten traut und gleichzeitig zum Nachdenken...
CD des Monats
DANIEL-FRANÇOIS-ESPRIT AUBER
Haydée: Klar, an wen man da denkt, wenn man in dieser Zeitschrift ihren Namen liest. Dass Daniel-François-Esprit Auber unter diesem Titel 1847 eine Opéra comique komponiert hat, ist längst vergessen, obwohl gerade dieses Werk neben «Fra Diavolo» und «Die Stumme von Portici» mit knapp 500 Aufführungen zu seinen...
