Charleroi: (La)Horde «To Da Bone»

Es gibt Tänze, die gäbe es gar nicht, wäre da nicht das Internet. Der Twerk gehört dazu, bei dem das globalisierte Girlie seine Hüftschwünge feiert. Die männlichen Antworten auf die Hypersexualisierung lauten Hardstyle,­ Tekstyle, Shuffle, Hakken und vor allem Jumpstyle. Da legt einer all seine Energie in eine Sequenz von einer halben Minute, filmt seine Heldentat, stellt das Video ins Netz und lässt es von anderen Jumpern liken und kommentieren. Der Jumpstyle stammt ursprünglich aus der Club-Szene von Belgien und den Niederlanden.

Seit 2005 schließen sich die Jumper zu virtuellen Battlesquads zusammen. 

Seither gibt es offiziell sogenannte Post-Internet-Tänze, nach dem Vorbild der Post-Internet-Kunst: Ein Stil entsteht direkt auf der virtuellen Bühne. Post-Internet-Tänze kreisen im Netz, springen aber auch in die analoge Realität. Dann kommt es, wie im Hip-Hop, zu realen Treffen und Battles. Nach ähnlichem Muster verlaufen auch Jumpstyle-Karrieren. Die ersten Videos entstehen in privater Umgebung. Dann wagt man sich in einen Park, wo es noch einen gewissen Sichtschutz gibt, schließlich explodiert der Jumpstyle auf der Straße.

Eines aber überrascht die Jumper-Szene: dass einige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 46
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Anna Karenina

Der Blick ins Programmheft löst Beklommenheit aus: Tschaikowsky, Alfred Schnittke und Cat Stevens, Soft-Song-Ikone der 1970er-Jahre, sollen die musikalische Rahmung besorgen? Reichlich dissonante Mischung, die nichts Gutes ahnen lässt für die Aufführung, die gleich in Hamburgs Staatsoper anrollen wird. Drei Stunden später ist man bekehrt, und damit keineswegs...

Biblioteca do Corpo

Sie fangen mit einer neuen Folge Ihres gemeinsam mit dem Festival «ImPulsTanz» entwickelten Trainingsprogramms für professionelle Tänzer, «Biblioteca do Corpo», an – wie muss man sich eine «Bibliothek des Körpers» vorstellen? Der Titel ist inspiriert von Jorge Luis Borges’ «Bibliothek von Babel». Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben. Jedes Buch birgt...

Stuttgart: Paul White, Narelle Benjamin «Cella»

Er war der erste Neuzugang, den das Wuppertaler Tanztheater nach dem Tod von Pina Bausch aufnahm – und Paul White machte sich so gut in deren Stücken, dass der Australier, der ursprünglich für eine Auszeit nach Berlin gekommen war, vielen auffiel: 2014 wählten ihn Kritiker bei der Umfrage dieser Zeitschrift zum «Tänzer des Jahres». Als athletischen, starken...