krabat

In memoriam Otfried Preußler: Demis Volpi choreografiert den Jugendbuch-Klassiker fürs Stuttgarter Ballett.

Krähen krächzen anders. Aber Vogelgezwitscher der etwas sanfteren Art könnte Peteris Vasks tatsächlich zum vierten Satz seines Streichquartetts Nr. 3 inspiriert haben, mit dem Demis Volpi in Stuttgart sein abendfüllendes Ballett eröffnet. Kaum hörbar erklingt Vasks’ Musik, unwirklich schön, und nichts kann den Schlaf der elf Raben offenbar stören. Wie auf einer Stange hat sie der Choreograf aufgereiht, genau der Beschreibung von Otfried Preußlers Roman folgend.

Ohne erkennbare Regung stehen sie da, während der Meister, wie es im ersten Kapitel des Buches heißt, nach einem gewissen Krabat verlangt. Beschwörend greifen seine Hände durch den Vorhang, und der Erwählte, durch den Zuschauerraum auftretend, fühlt sich von ihnen wie angezogen. Kein Wunder, handelt es sich bei dem Müller doch nicht um einen gewöhnlichen Meister, der im «Koselbruch», am «Schwarzen Wasser», eine Mühle betreibt. Nach längerem Kennenlernen erweist sich der Einäugige vielmehr als Magier, der seine Gesellen weniger das Müllerhandwerk lehrt als die «Kunst der Künste». Zwischendurch verwandelt er sie auch mal in Raben.

1971 hatte der unlängst verstorbene Otfried Preußler die aus dem Sorbischen überlieferte Sage zu ...

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Tanz Mai 2013
Rubrik: produktionen, Seite 20
von Hartmut Regitz

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