Kompanie des Jahres: Ballett am Rhein
Es ist ein Hype. Das Ballett am Rhein ist die deutsche Trend-Kompanie schlechthin, bei ihren Premieren wird die Düsseldorfer Oper zum place to be der Ballett- wie der nordrheinwestfälischen Finanz-Schickeria. Und wie sich das für einen richtigen Hype gehört, braut sich allmählich auch der Gegenhype zusammen. In der letzten Premiere vor der Sommerpause fanden einige Distinktionswillige endlich einen garstigen Grund: Er heißt Hanns Johst, war expressionistischer Dramatiker und hochrangiger nationalsozialistischer Literaturfunktionär.
Der Tabu-Dichter wurde – mit einem frühen Werk von 1914 – auf der Bühne wie im Programmheft zitiert, aber nicht als Propagandist etikettiert. Man schäumte über die Nachlässigkeit. Das Ballett am Rhein – ein Hort der Nazi-Camouflage!
Ein Programmheftfehler, zweifellos. Nur, wer weniger über Begleittexte als über die Kunst gegrübelt hätte an diesem Abend, dem wäre vielleicht aufgefallen, dass das männlich-hysterische verbale Kraftgeprotze demontiert wurde, dass die Worte in der Komposition von Adriana Hölszky in ihre Laute zerfielen, weil sie gezischelt, gegurrt, gestottert, gemaunzt wurden oder wie aus den Sängerleibern herausgequetscht klangen. «Dort, wo ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die saison 2013/14, Seite 134
von Nicole Strecker
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