Kiel: Yaroslav Ivanenko, Georg Reischl «Creations»

Sanfte Dünung. Eine Welle beginnt in den Fingerspitzen, gleitet durch den linken Arm in den Oberkörper, hebt den Kopf leicht an, wandert weiter auf die rechte Seite und springt von dort aus auf den nächsten Tänzer über. Siebzehn Körper erfasst die Welle nacheinander, und während der letzte von ihnen noch pulsiert, ist am Beginn längst wieder Ruhe eingekehrt, ein mildes Heben und Senken. Ein schönes, organisches Einstiegsbild hat Yaroslav Ivanenko für «Following a Bird»  choreografiert, das den zweiteiligen Ballettabend «Creations» am Kieler Opernhaus eröffnet.

Dabei ist hier ein ganzer Ensemblekörper am Start, eine strukturierte Formation. Als Keito Yamamoto ausbricht, sich inmitten der gebückten Schar aufrichtet, legt ihr der Nachbar sacht die Hand auf die Schulter. Als wolle er sagen: «Ruhig. Schon okay. Komm wieder runter.» Und Yamamoto kommt wieder runter.

Ivanenko, seit acht Jahren Ballettdirektor an der Förde, weiß um die Fallen der Neoklassik. Die geforderte tänzerische Perfektion leistet häufig einem unkritischen Ästhetizismus Vorschub. Im Zweifelsfall zieht sie einen gut funktionierenden Tänzer dem widerspenstigen Charakter vor. Bei «Following a Bird» arbeitet Ivanenko ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Falk Schreiber