John Cranko «Schwanensee»
«Frei nach traditionellen Fassungen». So nichtssagend einem der Erklärungshinweis auf dem Programmzettel auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag: Er sagt eigentlich alles. John Cranko hat sich 1963 in Stuttgart bei seiner «Schwanensee»-Einstudierung im Großen und Ganzen zwar an die Überlieferung gehalten, sich aber zugleich die Freiheit herausgenommen, seine Akzente anders zu setzen, wo immer es sein «demokratisches» Konzept erforderte.
Das betrifft den ersten Aufzug, in dem sich statt des üblichen Pas de trois ein differenziert durchchoreografiertes Bürgerinnen-Ensemble wiederfindet, in das sich Prinz Siegfried, Standesgrenzen überwindend, nur gar zu willig einreiht. Das betrifft (neben einem plausibel umgestalteten «Schwarzen Schwan» im dritten Aufzug) vor allem den Schlussakt, der durch die eingeschobene Elegie für Streichinstrumente an Sog- und Bildkraft gewinnt. Die Schwäne, die sich kreisförmig um ihre Königin scharen, wird niemand so schnell aus dem Gedächtnis verlieren. All das lässt Crankos «Schwanensee»-Interpretation auch heute nachhaltiger wirken als manche Neuinszenierung jüngeren Datums. Von der neuen Ballettmeisterin Liz Toohey ebenso stimmig wie inspiriert ...
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