Itzik Galili: «Different Stories»

in Kiel

Tanz - Logo

Mit flügelartig ausgebreiteten Armen springen die Tänzer hoch ins Licht. Geblendete Falter, gefangene Freiheitssucher, eingeschnürt in gefältelte Korsette wie fahle Zwangsjacken. Itzik Galili erzählt als Gastchoreograf des Balletts Kiel seine «Different Stories» vornehmlich im Dunkeln. Weiße Scheinwerferstrahlen von schräg oben oder von der Seite, ausgeklügelt platziert vom Lichtdesigner Yaron Abulafia, holen die Körper aus der Finsternis, die sie für kurze Zeit entlässt und wieder verschluckt. Schon der Titel des so rasanten wie beklemmenden Finalstücks «Until.With/Out.

Enough» zu Henryk Góreckis «Streichquartett Nr. 2» vermittelt die Widersprüche. Die Gruppe ist zwar im Amoklaufen stark, aber gefangen und vereinzelt. Sie ist am Ende, ewiges Rennen im Kreis, das stimmlose Gerede ins Leere hat sie satt.
Andeutungsweise wird klar, dass der in den Niederlanden lebende Israeli die zerrissene Heimat und die Freiheitskämpfe in seinen tänzerischen Studien als ein Unterdrückungssystem zeichnet. Der bald 50-Jährige war einst Soldat in den israelischen Streitkräften, hat ein schwarzes Bild von der Wirklichkeit und reflektiert an diesem stellenweise bedrückenden Abend mit vier elegant ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2010
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fotografie

«See Saw» heißt der rare Fotoband des US-Tanzfotografen Michael Philip Manheim. Nur selten erzählen Bilder, wie Tanzfotografen zu ihrem Metier kamen. Im Auftrag einer Fluggesellschaft fotografierte Manheim 1976 den CN Tower in Toronto. Ein Wagemutiger zog an einer Gondel vorüber – «Hanging Out» entstand, wie Manheim sagt, als eine Mischung aus Zufall und guten...

«Rebound»

Hartes Gegenlicht durchschneidet den Raum. Aus unwirtlichen Wind- und ­Wassergeräuschen kristallisieren sich Fragmente der Kantate «Helgoland». Während der Repetitor Bruno Raco in Tasten und Saiten greift und das Klangmonument Anton Bruckners am Flügel intelligent zerlegt, schickt Pascal Touzeau sein Ensemble im Dunkel der Bühne auf Entdeckungstour. 15 Tänzer in...

Tanzplattform

Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien...