Inszenierung des Jahres: Florentina Holzinger «Ophelia‘s got Talent»
Natürlich ist das Theater von Florentina Holzinger reines Überwältigungstheater. War es schon immer, das Spiel mit den immer größeren Bühnen, mit der immer expliziteren Sexualität und den immer krasseren körperlichen Entäußerungen, aber «Ophelias’s Got Talent» treibt diese Überwältigung auf die Spitze.
Auf Nikola Kneževićs Bühne also befindet sich nicht etwa eine Wasserfläche, sondern gleich drei, die den Techniker*innen den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürften: ein Pool, in dem sich tatsächlich Bahnen ziehen lassen, zwei Aquarien, in denen das ganz eigenständige Tanzverständnis Holzingers zum Wasserballett mutiert. Statt den zwei Autos aus «A Divine Comedy» gibt es diesmal einen ausgewachsenen Hubschrauber als Bühnenelement. Und forcierte Nacktheit sowie echtes Blut sind bei Holzinger ohnehin gesetzt. Was aber das an der Berliner Volksbühne uraufgeführte und mit einer Menge an Institutionen koproduzierte «Ophelia’s Got Talent» zum großen Kunstwerk macht: dass die Choreografin nicht bei der Überwältigung stehenbleibt, dass sie aus einer Materialschlacht eine stringente, in sich stimmige Arbeit entwickelt.
In Shakespeares «Hamlet» stirbt Ophelia, die dem Wahnsinn verfallene ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Die Saison 2022/23, Seite 128
von Falk Schreiber
1979. Zum ersten Mal tritt im Théâtre de la Ville in Paris eine unbekannte deutsche Gruppe unter der Leitung einer unbekannten deutschen Choreografin auf. Dieses fremde Ensemble von Tänzer*innen und Schauspieler*innen der «Opera de Wuppertal» aus einer – damals für mich und fast alle anderen – unbekannten deutschen Stadt präsentiert die zwei Stücke «Blaubart» und...
Andrea Amort, Wien
freie Autorin u. a. tanznetz.de
Interessanteste Inszenierung: «Neuzeit» von Johannes Wieland für Tanz Linz (Landestheater Linz)
Interessanteste*r Choreograf*in: Marco Goecke, zuletzt mit «In the Dutch Mountains» für das NDT (Den Haag)
Tänzer*in des Jahres: Das Ensemble in Mette Ingvartsens jüngster Produktion «Skatepark»
Kompanie des Jahres: Het...
«Tanze, tanze, sonst sind wir verloren!» Diesen Satz hat ein junges Roma-Mädchen zu Pina Bausch gesagt und sie dringend aufgefordert, mit ihr und den anderen zu tanzen. Der Satz blieb der Choreografin lange im Gedächtnis: «Tanze, tanze, sonst sind wir verloren!»
Denn getanzt wird in Pina Bauschs Verständnis nicht nur aus Freude – das auch. Getanzt wird vor allen...
