Inszenierung des Jahres: Florentina Holzinger «Ophelia‘s got Talent»

Antirepressiv, antidepressiv: mit lustvollem Furor zelebriert die österreichische Choreografin die Zerlegung alles Normativen

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Natürlich ist das Theater von Florentina Holzinger reines Überwältigungstheater. War es schon immer, das Spiel mit den immer größeren Bühnen, mit der immer expliziteren Sexualität und den immer krasseren körperlichen Entäußerungen, aber «Ophelias’s Got Talent» treibt diese Überwältigung auf die Spitze.

Auf Nikola Kneževićs Bühne also befindet sich nicht etwa eine Wasserfläche, sondern gleich drei, die den Techniker*innen den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürften: ein Pool, in dem sich tatsächlich Bahnen ziehen lassen, zwei Aquarien, in denen das ganz eigenständige Tanzverständnis Holzingers zum Wasserballett mutiert. Statt den zwei Autos aus «A Divine Comedy» gibt es diesmal einen ausgewachsenen Hubschrauber als Bühnenelement. Und forcierte Nacktheit sowie echtes Blut sind bei Holzinger ohnehin gesetzt. Was aber das an der Berliner Volksbühne uraufgeführte und mit einer Menge an Institutionen koproduzierte «Ophelia’s Got Talent» zum großen Kunstwerk macht: dass die Choreografin nicht bei der Überwältigung stehenbleibt, dass sie aus einer Materialschlacht eine stringente, in sich stimmige Arbeit entwickelt.

In Shakespeares «Hamlet» stirbt Ophelia, die dem Wahnsinn verfallene ...

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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Die Saison 2022/23, Seite 128
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