Im Flakfeuer

Transphob – ja oder nein? Der Fall Rosie Kay hat die britische Tanzwelt in Wallung gebracht

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Es war eine weitere Schlacht in der Reihe der hochgradig ideologisierten Gefechte auf dem Gender-Kriegsschauplatz, die die britische Choreografin Rosie Kay im Dezember 2021 dazu bewog, die Kompanie zu verlassen, die sie 2004 selbst gegründet hatte und deren einzige Künstlerische Leiterin sie bis dahin gewesen war. Geführt wird dieser Krieg der Worte, der keine Gewinner*innen kennt, von Trans-Aktivist*innen, die in «trans-exkludierenden radikalen Feminist*innen» (sogenannten TERFs) ihre Gegner*innen sehen.

Ich habe den Versuch unternommen, die Vorfälle und Begleitumstände zu verstehen, die zur Folge hatten, dass ein*e aufstrebende*r Tänzer*in unmittelbar vor der Premiere der seinerzeit aktuellen Produktion aus der Rosie Kay Dance Company ausstieg und damit letztlich den Rücktritt von Rosie Kay herbeiführte. Gleichzeitig wollte ich den um die Begrif fe «Gender» und «biologisches Geschlecht» entbrannten Konflikt besser begreifen lernen. Die Tänzer*innen, die der Choreografin Transphobie zur Last legen, sahen mit Kays Bekanntgabe ihres Rücktritts ihre eigene Sicherheit gefährdet; ich verzichte daher darauf, Tänzer*innen sowie involvierte Vorstandsmitglieder der Rosie Kay Dance Company ...

Graham Watts, OBE, ist freier Autor und Tanzkritiker. Er hat u.a. die Biografie der Ballerina Daria Klimentová, «The Agony and the Ecstasy», und Beiträge für Standardwerke verfasst. Er ist Vorsitzender der Sektion Tanz des «London Critics’ Circle» sowie der «UK National Dance Awards»

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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Vermessung des Tanzes, Seite 96
von Graham Watts

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