Im Delirium

«Das Stück mit dem Schiff» von Pina Bausch – nach 27 Jahren hat es die Choreografin Saar Magal geborgen und lässt es wie ein Abbild unserer Zeit über die Bühne schaukeln.

Dass erstmalig eine Choreografin engagiert wird, um ein Pina-Bausch-Stück wieder zum Leben zu erwecken, berührt auch eine sehr grundsätzliche Frage: Wie geht es überhaupt weiter mit dem Ensemble Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, außer in jene Zukunft natürlich, ein ewig tanzendes Museum der Werke der 2009 verstorbenen Gründerin zu bleiben? Wer folgt der scheidenden Intendantin Bettina Wagner-Bergelt? Es war ihre Idee, mit Saar Magal (tanz 11/18) aus Israel eine Choreografin zu bitten, sich an einem Stück von Pina Bausch zu versuchen, an «Tanz­abend I» (wie «Das Stück mit d

em Schiff» jahrelang hieß). Das Werk aus dem Jahr 1993, geboren aus der Trauer um Hans Züllig, Pina Bauschs prägenden Lehrer, ist noch immer, viele Jahre später, in der Lage, eine einigermaßen junge Erfahrung über die Rampe zu hieven, eine Rampe freilich, an die man bei der Premiere nur durch klandestines Eindringen ins Wuppertaler Opernhaus gelangt, oder über die Website der Kompanie. Dort funzelt dieses Werk nicht länger nur einem Zeitgeist von damals hinterher, als die Verlustängste nach der Wende weitaus mehr zu zählen schienen als die Freude über die Überwindung der Unterdrückung in Osteuropa, die auch ...

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Tanz Januar 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Arnd Wesemann

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