Ikonen
Versuchung und wilde Verzweiflung. In dieser Nacht gehen sie Hand in Hand. Was soll sie tun? Was darf sie fühlen? Was sagen? Nichts. Rein gar nichts. Also weist sie ihm die Tür.
Nelken, soweit das Auge reicht. Dazwischen ein Mann. Dunkler Anzug, farbige Krawatte. Und Lippen, Arme, Hände, die das Bild eines anderen beschwören: «The Man I Love».
Sie trotzt seinen Blicken, die Besitzrecht behaupten. An ihrem Körper, ihrer Leidenschaft. Von wegen. Mit einem Ruck wirft sie ihm das sündteure Collier vor die Füße. In den Staub.
Drei Blitzlichter auf ikonische Momente, eingefroren in Zeit und Raum, im Gedächtnis aller, die sie gesehen haben. Tatjana, die Onegin hinauskomplementiert – den Mann, den sie mehr geliebt hat als alles andere auf Welt. Der Namenlose (alias Lutz Förster), der George Gershwins Song, Sophie Tuckers Stimme und Peter Pabsts Bühne in ein Gesamtkunstwerk überführt, allein mit den kalligrafischen Schwüngen seiner Gebärden. Marguerite, die Edelprostituierte, die dem Freier die Stirn bietet, weil sie der Liebe begegnet ist – der Liebe, an der sie genauso elend zugrunde gehen wird wie an der Schwindsucht. John Crankos «Onegin», Pina Bauschs «Nelken», John Neumeiers ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Editorial, Seite 15
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Die italienische Fraktion im Stuttgarter Ballett ist zahlenmäßig und auch choreografisch stark. Aurora de Mori gab gleich in ihrer ersten Spielzeit – 2015 war sie als Elevin von der Cranko-Schule gekommen – bei einem Noverre-Abend ihr Debüt als Choreografin. Und wer jüngst in einer Privatgalerie das nunmehr elfte Stück der Gruppentänzerin gesehen hat, freut sich...
Ich heiße Anna Laudere, stamme aus Lettland und habe das Glück, dass mein Leben viele verschiedene Wendungen genommen hat, die dazu führten, dass ich John Neumeier begegnete und mittlerweile seit über 20 Jahren mit ihm zusammenarbeite. In dieser Zeitspanne habe ich in den meisten seiner Kreationen und Ballette getanzt und dabei sowohl Revivals wie Uraufführungen...
Man kann nicht über «50 Jahre Tanztheater Wuppertal» reden, ohne immer wieder über Pina Bausch zu reden. «Das gehört alles zusammen: das Stück, das Ensemble, ich.» So zitierte der Tanzkritiker Jochen Schmidt die Prinzipalin in seinem Buch «Tanzen gegen die Angst. Pina Bausch», das 1998 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums erschienen ist. Das ist 25 Jahre später...
