Ikonen

Über ein choreografisches Dreigestirn

Tanz - Logo

Versuchung und wilde Verzweiflung. In dieser Nacht gehen sie Hand in Hand. Was soll sie tun? Was darf sie fühlen? Was sagen? Nichts. Rein gar nichts. Also weist sie ihm die Tür.

Nelken, soweit das Auge reicht. Dazwischen ein Mann. Dunkler Anzug, farbige Krawatte. Und Lippen, Arme, Hände, die das Bild eines anderen beschwören: «The Man I Love».

Sie trotzt seinen Blicken, die Besitzrecht behaupten. An ihrem Körper, ihrer Leidenschaft. Von wegen. Mit einem Ruck wirft sie ihm das sündteure Collier vor die Füße. In den Staub.

Drei Blitzlichter auf ikonische Momente, eingefroren in Zeit und Raum, im Gedächtnis aller, die sie gesehen haben. Tatjana, die Onegin hinauskomplementiert – den Mann, den sie mehr geliebt hat als alles andere auf Welt. Der Namenlose (alias Lutz Förster), der George Gershwins Song, Sophie Tuckers Stimme und Peter Pabsts Bühne in ein Gesamtkunstwerk überführt, allein mit den kalligrafischen Schwüngen seiner Gebärden. Marguerite, die Edelprostituierte, die dem Freier die Stirn bietet, weil sie der Liebe begegnet ist – der Liebe, an der sie genauso elend zugrunde gehen wird wie an der Schwindsucht. John Crankos «Onegin», Pina Bauschs «Nelken», John Neumeiers ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Editorial, Seite 15
von

Weitere Beiträge
Ukraine

Eine treibende Kraft innerhalb der Community ist und bleibt der Wohltätigkeitsgedanke. Viele freie Künstler*innen beteiligen sich aktiv und freiwillig an Veranstaltungen zur Unterstützung des Militärs und der Zivilbevölkerung. Andere Performances lassen Teile ihrer Einnahmen oder auch mal den gesamten Erlös den Streitkräften zukommen. Unter den Kunstschaffenden hat...

Menschlichkeit

Nach 50 Jahren kreativer Arbeit in Hamburg hat John Neumeier ein einzigartiges Tanz-Universum aufgebaut: eine weltbekannte Compagnie, eine Schule, eine Jugendcompagnie, ein bedeutendes Choreografie-Œuvre und eine umfangreiche, faszinierende Tanzkunst-Sammlung, die – ergänzt um Bibliothek und Memorabilia-Archiv – seine Stiftung ausmacht. Das war, und das ist.

Es ist...

Paul Irmatov

Mit den Eltern – Tänzerin und Tänzer –, kam Paul Irmatov aus Russland nach Deutschland. Sie sorgten zunächst für seine Ausbildung, dann ging er an die Ballett-Akademie München, 2018 Engagement beim Prager Nationalballett. Seitdem Erarbeitung eines weiten Repertoires dank intelligenter Verbindung von technischem Können und individueller Gestaltung. 2021 wird er...