Hoppla, wir leben

Berlin im Revolutionsfieber 1918/19

Ob große Politik, ob Kulturkrawall in der Provinz – der Rund-um-die-Uhr-Schreiber Kurt Tucholsky nahm alles aufs Korn. 1920 zerrte er eine Modeerscheinung aufs Satire-Schafott, die seit der Kriegsniederlage und den revolutionären Unruhen an der Jahreswende 1918/19 prächtig gedieh. Der Kaiser war ins Exil verschwunden, die Sozialdemokratie mit der Heeresleitung verbündet, um den politischen «Aufstand für die Freiheit» (Joachim Käppner) – angezettelt von streitbaren Matrosen, Soldaten und Arbeitern – zu ersticken.

In Berlin lieferten sich Militärs und Revoluzzer erbitterte Straßenschlachten, derweil die Theater knackige Nackedeis präsentierten. Das «Nackttanz-Fieber» grassierte, was Tucholsky genüsslich aufspießte und von Friedrich Hollaender vertonen ließ: 

«… Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus! Denn du darfst nicht ennuyant sein, und nur so wirst du bekannt sein; und es jubelt voller Lust das ganze Haus ‹Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!› Nicht nur bei Lulu oder Wedekind ist der Platz für Deine Reize, denn je nackter Deine Schultern sind, je mehr sagt man: ‹Det kleid se!› Als Iphigenie trägst Du nur ’ne Armbanduhr, ’ne Armbanduhr, ich seh den weißen Nacken, wie schön ...

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Tanz Februar 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Dorion Weickmann