Hannover on tour: Eszter Salamon «Monument 0.6: Heterochronie / Palermo 1599 – 1920»

Ein stilles Stockdunkel. Irgendwann sind Schemen zu erkennen, zarte Lichtschweife an der Bühnenhinterwand. Eine gefühlte Ewigkeit später Umrisse von Körpern. Bewegen die sich? Geben sie dieses Raunen von sich? Irgendwann erklingt Choralgesang, und die Gestalten werden sichtbar als Dahinsiechende, Lebendig-Tote mit offenen, hängenden Mündern, gekrümmten Rücken und verdrehten Gliedern. Was für ein Einstieg! Eszter Salamons jüngstes Werk «Monument 0.6: Heterochronie / Palermo 1599 – 1920» gräbt sich gnadenlos hinein in die Frage: Was ist der Mensch? Beklemmend gut ist das.

Eszter Salamon ist eine Körperforscherin. Ihr sezierender Blick ist dabei stets von innen nach außen gerichtet. Immer wieder stellt sie die Frage: «Was sonst»? Zum Beispiel: «Was sonst ist der Körper in der ihn umgebenden Welt?» Ihre Aufführungsformate variieren, aber die Körper darin sind nie stumm. Auch nicht als abwesende.

In «Heterochronie» wird aus den neun Tänzerinnen und Tänzern gleich ein fulminanter A-cappella-Chor, der selbst mikrotonale Musik wie die des Renaissance-Komponisten Gesualdo di Venosa virtuos (und ohne Dirigenten) singt. Minimale Körperbewegung und Gesang bedingen, ergänzen sich, stoßen ...

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Tanz April 2020
Rubrik: Kritik, Seite 37
von Sarah Heppekausen