Golden Boy

Der traurige Spaßmacher. Ein kurzes, intensives Leben, porträtiert von Angela Reinhardt

Tanz - Logo

«Er ist die große Ausnahmeerscheinung unter den Ballettschöpfern seiner Generation: ein Romantiker par excellence, ein Träumer, ein Poet, in einer Welt lebend, die von Fabelwesen und Fantasiegestalten bewohnt wird, von Harlekinen und Clowns, von weisen Narren und närrischen Weisen, von Geschöpfen, deren Seele so empfindlich ist, dass sie sie hinter Masken und unter Verkleidungen verbergen – ein Mann, mit einem großen, überströmenden Herzen für diejenigen, die da mühselig und beladen sind, die Zukurzgekommenen und vom Schicksal Benachteiligten, die ohne viel Aufhebens die Bürde

ihres Daseins tragen und selbst unter Tränen das Lächeln nicht ganz verlernt haben.» Derart enthusiastisch begrüßte der Kritiker Horst Koegler am 7. Januar 1961 in der «Stuttgarter Zeitung» den neuen Ballettdirektor der Württembergischen Staatstheater. Er war nur wenige Wochen zuvor ernannt worden – im Oktober 1960 studierte John Cranko seinen «Pagodenprinz» in Stuttgart ein, Generalintendant Walter Erich Schäfer fand Stück und Choreograf gut, komplimentierte den bisherigen Direktor Nicholas Beriozoff mitten in der Spielzeit hinaus und engagierte den 33-jährigen Briten südafrikanischer Abstammung quasi vom ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Cranko, Seite 26
von Angela Reinhardt

Weitere Beiträge
England

Die konservative Regierung tut ihr Bestes, um dem Kunstsektor weiterhin den Geldhahn abzudrehen. Doch der Tanz entpuppt sich als bemerkenswert robust: Das English National Ballet (ENB) hat unter dem neuen Artistic Director Aaron Watkin mit Produktionen von «Cinderella» (Christopher Wheeldon), «Swan Lake» (Derek Deane) und «Nutcracker» (Wayne Eagling) das London...

Filipe Portugal

Wer sagt eigentlich noch, Choreografieren könne man nicht lernen? Zumindest nicht durch ein Studium? Filipe Portugal jedenfalls hat studiert, und er hat gelernt. Das zeigte Ende Mai das Festspiel «Heimlich seufzen die Winde» in der Klosterkirche Königsfelden bei Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Den aus Portugal stammenden, langjährigen Solisten im Ballett Zürich...

Freiheit

Pina besaß die Fähigkeit, den nackten Kern einer Idee freizulegen. Ihre Arbeiten wirken, als hätte sie Anfang und Ende einer Szene oder eines Konzepts weggeschnitten und nur «die Mitte», also die Idee in Reinform, übrig gelassen. Beim Schauen ihrer Stücke wundert man sich als Zuschauer*in, woher alle diese Menschen auf der Bühne eigentlich kommen und wohin sie als...