Golden Boy
«Er ist die große Ausnahmeerscheinung unter den Ballettschöpfern seiner Generation: ein Romantiker par excellence, ein Träumer, ein Poet, in einer Welt lebend, die von Fabelwesen und Fantasiegestalten bewohnt wird, von Harlekinen und Clowns, von weisen Narren und närrischen Weisen, von Geschöpfen, deren Seele so empfindlich ist, dass sie sie hinter Masken und unter Verkleidungen verbergen – ein Mann, mit einem großen, überströmenden Herzen für diejenigen, die da mühselig und beladen sind, die Zukurzgekommenen und vom Schicksal Benachteiligten, die ohne viel Aufhebens die Bürde
ihres Daseins tragen und selbst unter Tränen das Lächeln nicht ganz verlernt haben.» Derart enthusiastisch begrüßte der Kritiker Horst Koegler am 7. Januar 1961 in der «Stuttgarter Zeitung» den neuen Ballettdirektor der Württembergischen Staatstheater. Er war nur wenige Wochen zuvor ernannt worden – im Oktober 1960 studierte John Cranko seinen «Pagodenprinz» in Stuttgart ein, Generalintendant Walter Erich Schäfer fand Stück und Choreograf gut, komplimentierte den bisherigen Direktor Nicholas Beriozoff mitten in der Spielzeit hinaus und engagierte den 33-jährigen Briten südafrikanischer Abstammung quasi vom ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Cranko, Seite 26
von Angela Reinhardt
Frisch, gehaltvoll und couragiert hat sich die diesjährige Ausgabe des Festivals «TransAmériques» unter der künstlerischen Leitung des Doppelgespanns Martine Dennewald und Jessie Mill in Montreal präsentiert. Die beiden Frauen erweitern den ästhetischen Horizont mit einem dezidiert zeitgenössischen Zugriff auf die postpandemische Wirklichkeit mit all ihren...
Dem schnelllebigen Wechsel von Theater-, Opern- und Ballettintendanzen setzte John Langlebigkeit und Nachhaltigkeit entgegen und feiert 2023 die Goldene Hochzeit mit dem Hamburg Ballett. 1985 inzenierte John auf Kampnagel, auch er war auf der Suche nach dem inspirierenden Einfluss dieser auratischen Hallen. Als ich 2007 nach Hamburg kam, war John Neumeier längst...
Das Tanzgeschehen in Schweden war in der zurückliegenden Spielzeit stärker von Diskussionen um unzureichende Finanzierung und mangelnde Strukturen bestimmt als von genuin künstlerischen Themen und Ereignissen. Es scheint ein gewisser Stillstand im Land zu herrschen, und die mithin nicht ganz neue Frage drängt sich auf: Was muss geschehen, damit sich Schwedens...
