Glück
1973 war das schwierigste Jahr meines Lebens. Meine ganze Welt ist zusammengebrochen. Am schlimmsten war, dass ich – im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Kompanie – nicht bei ihm, bei John Cranko im Flugzeug war. Normalerweise saß ich immer direkt hinter oder vor ihm. Diesmal, am Ende des USA-Gastspiels, bin ich mit Ricky – Richard Cragun – nach Brasilien geflogen, während die Compagnie zurück nach Deutschland flog. Als wir in Rio ankamen, hat meine Mutter mir gesagt, ich soll mich hinsetzen. Dann sagte sie mir, dass John tot sei.
Ich war wie paralysiert; Ricky hat alles organisiert. Der Flug zurück war ein Alptraum; ich fühlte mich schuldig, so als ob John nicht gestorben wäre, wenn ich nur bei ihm gewesen wäre. Als wir in Stuttgart ankamen dachte ich: «Ich kann nicht mehr tanzen; ich kann nie wieder tanzen. Ich gehe wieder zurück nach Brasilien.» Nach der Trauerfeier bin ich schnell aus der Kirche raus und stand etwas abseits. Plötzlich kamen alle Anwesenden – einer nach dem anderen – zu mir, haben mir die Hand gedrückt, oder mich umarmt. Als ob ich Crankos Tochter oder eine Familienangehörige wäre. In dem Moment wurde mir klar, dass ich bleiben musste. Aber es war hart: ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Cranko, Seite 45
von Marcia Haydée
«Er ist die große Ausnahmeerscheinung unter den Ballettschöpfern seiner Generation: ein Romantiker par excellence, ein Träumer, ein Poet, in einer Welt lebend, die von Fabelwesen und Fantasiegestalten bewohnt wird, von Harlekinen und Clowns, von weisen Narren und närrischen Weisen, von Geschöpfen, deren Seele so empfindlich ist, dass sie sie hinter Masken und unter...
Ob die drei sich jemals getroffen haben? Im November 1972 gastierte Pina Bausch mit Tänzern des Folkwang-Balletts bei einer der «Junge Choreografen»-Matineen in Stuttgart, eingeladen von Fritz Höver, der sich als Leiter der Noverre-Gesellschaft immer für die neuesten Entwicklungen interessierte. Sie zeigte «Im Wind der Zeit» und «Aktionen für Tänzer», sicher saß...
«Tanze, tanze, sonst sind wir verloren!» Diesen Satz hat ein junges Roma-Mädchen zu Pina Bausch gesagt und sie dringend aufgefordert, mit ihr und den anderen zu tanzen. Der Satz blieb der Choreografin lange im Gedächtnis: «Tanze, tanze, sonst sind wir verloren!»
Denn getanzt wird in Pina Bauschs Verständnis nicht nur aus Freude – das auch. Getanzt wird vor allen...
