Gehörnt

Robyn Orlins Hommage an die Rikscha-Fahrer ihrer Kindheit

Eine Art Subkultur war das, sagt Robyn Orlin. Sie meint diese Rikschas mit Fahrern in der Rolle von Zugpferden, und vor allem deren schrille, bunte Kostüme, die in Helmen mit zwei, vier oder sechs Kuhhörnern gipfelten. Orlin wuchs in Durban auf und war vier Jahre alt, als ihr diese Wesen zum ersten Mal auffielen. Dem kleinen, weißhäutigen Mädchen erschienen sie wie fliegende Engel oder mythische Gestalten aus einer anderen Welt.

Ein Bewusstsein für die sozialen Spannungen, den Kolonialismus und die Unterdrückung, die dafür sorgten, dass diese Menschen mit 35 Jahren verbraucht starben, entwickelte sie etwa zehn Jahre später. Die jugendliche Robyn war eine echte Achtundsechzigerin mit rebellisch kurzen Haaren und Latzhose. Dann studierte sie Tanz und Kunst in London und Chicago. Zwar lebt sie seit Langem in Berlin, doch ihre Stücke stehen weiter in Bezug zur Rainbow Nation. «Heute bin ich alt und reflektiere über die Apartheid und meine Kindheitserinnerungen. Und mir wurde klar, dass diesen Rikscha-Fahrern – Frauen waren nie darunter – zu keiner Zeit eine Form von Anerkennung zuteilwurde», sagt sie.

Menschliche Pferde mit Kuhhörnern
Ihr neues Stück mit der Truppe von Moving Into ...

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Tanz August/September 2022
Rubrik: Tanz im August, Seite 16
von Thomas Hahn

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