Innsbruck: Enrique Gasa Valga «the tempest»

Für den Gestrandeten ist die Insel, sollte man meinen, ein herrschaftsfreier Raum. Hier lassen sich Hierarchien schwerlich aufrechterhalten, weil um des Überlebens willen jeder, egal welchen Standes, auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. Zumindest nominell aber müssen die gesellschaftlich diktierten Abstände gewahrt werden, wie berühmte literarische Beispiele belegen. Robinson Crusoe knechtet seinen Freitag. Und der Zauberer Prospero meint, Caliban, den «Wilden», handgreiflich nach seiner Pfeife tanzen lassen zu müssen.

Das Unten und das Oben gibt es bei Enrique Gasa Valgas zauberischem «The Tempest» nicht mehr. Alle Personen sind gleichgestellt und dürfen tänzerisch ihre Eigenheiten ausleben. Valga, seit zehn Jahren Ballettchef am Tiroler Landes-theater, zeigt deutlich, dass selbst Prospero mit dem Schiffbruch jede Macht abhandengekommen ist. Er kann nicht einmal beim Coup de foudre, der seine Tochter Miranda und seinen Neffen Ferdinand gleich beim ersten schwelgerischen Pas de deux füreinander entflammt, väterlich dazwischenblitzen.

Es sind ja lauter verfranste Erzählstränge in Shakespeares «Sturm», die keine rechte Handlung ergeben. Weshalb Valga daraus ein Nummernballett ...

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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Eva-Elisabeth Fischer