Furchtlos
1997 wurde ich frisch gebackener Redakteur der renommierten Tanzzeitschrift «ballett international/tanz aktuell». Damals erschien sie in zwei Sprachen, auf Deutsch und Englisch, und wurde in die ganze Welt hinein vertrieben. Es war eine Welt, die in Großbritannien gerade den Tod von Prinzessin Diana betrauerte, die in Albanien und Mazedonien einen Bürgerkrieg zu verhindern versuchte, die das Land Zaire in die Demokratische Republik Kongo umbenannte, die in Ägypten mehrere Attentate auf Touristen erlebte und Hongkong offiziell an die Volksrepublik China verlor.
All das schienen ganz normale Verschiebungen in der politischen Tektonik zu sein, Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion, der Russland wieder auf die internationale Charta setzte. Diese Zeit, in der man in der heute aberwitzig erscheinenden Hoffnung lebte, dass Links gegen Rechts, West gegen Ost, Nord gegen Süd, Muslime gegen Christen, Weiß gegen Schwarz, USA gegen China der schmelzende Schnee von gestern sei – diese Zeit nannte man Postmoderne.
Es war die Zeit (nicht ohne Internet, aber sie tickte noch lange Jahre analog), als so bekannte Tanzkritiker wie Jochen Schmidt von der «Frankfurter ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: 30 Jahre tanz, Seite 59
von Arnd Wesemann
Sein Urvertrauen in das, was man gemeinhin Schicksal nennt, ist inspirierend. Edward Nunes genießt nach Stationen in Salzburg und Linz sein gegenwärtiges Dasein als Mitglied des Staatstheater Nürnberg Ballett, wo das Publikum ihn seit 2019 feiert. Er blickt optimistisch in die Zukunft, und hat dazu auch allen Grund. Nunes sticht heraus: Er ist ein...
It‘s your turn!
Lasst uns mal kurz nach 2054 springen: tanz erreicht sein Publikum auf allen Kanälen, tummelt sich in digitalen Spielräumen, kooperiert mit sämtlichen Playern der Szene und spielt vom Hologramm einer Performance bis zur klassischen Kritik auf der unendlichen Klaviatur der Formate. Wir kuratieren in Wort und Bild, was sämtliche Spielarten des Tanzes...
Gisèle Vienne, hat Ihnen die Aufführung von «Extra Life» gestern im Tanzquartier Wien gefallen?
Ja.
Weswegen?
Jede Aufführung ist anders. Im Tanzquartier ist die Bühne kleiner als sonst bei uns üblich für dieses Stück. Auf einer großen Bühne kann man gut mit Panorama und mit Landschaft arbeiten, und hier hat man eine größere Nähe zu den Performer*innen. Auch weil...
