Freiheit
Wenn die Körperspannung nachlässt, tiefes Durchatmen einsetzt, der Blick alles, was hinter dem Horizont sein mag, zu durchdringen scheint, Wärme im Körper aufsteigt, wenn sich die Kiefermuskeln entspannen und das eigene Lächeln sachte spürbar wird … Das ist es, was ich intuitiv mit «frei sein» verbinde.
Freiheit geschieht. Nach einer langen Steigung beim Wandern, wenn einem eine Last von den Schultern fällt, oder – ohne Berg und Last – wenn man sich frei tanzt.
Doch wie viele widmen ihr Leben dem Tanz aus dem Impuls heraus, frei zu sein? Sie zahlen dafür, wie alle anderen Künstler auch, einen Tribut, der oft fälschlicherweise als Selbstausbeutung bezeichnet wird.
Das Wort Freiheit weckt Sehnsucht. Es gibt den Spruch: Frei sein wie ein Vogel. Aber ein Vogel ist wahrscheinlich nicht freier als wir. Er kann nur fliegen, was für den Vogel normal ist. Sein Tribut: Er muss dafür täglich oft das Doppelte an Eigengewicht als Nahrung zu sich nehmen. Sonst verhungert er. Dann ist es mit dem Fliegen vorbei.
Der Choreograf muss ebenfalls essen und Miete zahlen, und wer nicht im institutionellen Theaterbetrieb landet, hat die Möglichkeit, durch viel Initiative ein Einkommen aus verschiedenen ...
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Tanz Oktober 2016
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von David Brandstätter
Mit der Aufführung von Strawinskys «Le Sacre du printemps» in Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern und dem Dokumentarfilm «Rhythm is it!» löste der englische Choreograf Royston Maldoom 2003/04 eine Riesenwelle aus: Tanzprojekte mit Schülern aus bildungsfernen Schichten gibt es seither wie Sand am Meer. Qualitativ gute zeitgenössische Tanzaufführungen von...
Auch wir, die berufsneugierigen und sonst oft neunmalklugen Journalisten, haben an diesem Tag versagt. Haben bei der Pressekonferenz im Berliner Rathaus eine entscheidende Frage nicht gestellt: «Herr Müller, Herr Renner, ist das Staatsballett über den Leitungswechsel informiert? Wenn nicht – wann soll das erfolgen?» Keine Ahnung, wieso niemand das Stadtoberhaupt...
Über dem Graben liegt eine kreisrunde Scheibe, und das Orchester sitzt auf der Bühne. Ein junger Mann in Weiß kommt aus dem Zuschauerraum dazu, tippt zögernd auf die leere Spielfläche, als wäre es brüchiges Eis. Allmählich erobert er sich seine Bühne, andere junge Männer in cremefarbenen zeremoniellen Röcken (gestaltet von Albert Kriemler) gesellen sich zu ihm –...
