Euro-Scene Leipzig: Abschied nach 30 Jahren

Ann-Elisabeth Wolff, vor 30 Jahren, kaum war die Mauer gefallen, wird ein Festival für europäisches Theater gegründet. Was war passiert? Von Leipzig ging die Revolution aus. Von einer weltoffenen Stadt, anders als das in sich selbst ruhende Dresden, das kein Geld für ausländische Künstler ausgeben wollte. Ich war Musikwissenschaftlerin, hatte 14 Jahre als Lektorin beim Musikverlag Edition Peters gearbeitet. Auf einmal, im April 1990, war Schluss. Ich bin gleich nach Stuttgart. Ich hatte Angst, die Grenzen würden wieder schließen.

In Stuttgart hat mich der berühmte Ballettkritiker Horst Koegler beherbergt und mit Geld und Freikarten versorgt. Wir hatten ja nur Ostmark. Mein Traum, das weltbekannte Stuttgarter Ballett mit Márcia Haydée und Richard Cragun zu sehen, ging in Erfüllung. 1991 rief mich die damalige Kulturamtsleiterin Brunhild Matthias in Leipzig an und fragte, ob ich einem Matthias Renner bei der Gründung eines Festivals helfen wolle. Im Herbst starteten wir zu zweit, er aus Dresden, ich aus Leipzig, die erste Ausgabe. Er gründete den Trägerverein, ich bin auf viele Festivals in Europa gefahren. Bis er im Oktober 1993, kurz vor dem dritten Festival, an AIDS verstarb. Ich ...

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Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 16
von Interview: Arnd Wesemann

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