Erzählen

Judith Kuckart über Pina Bausch

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Eines Tages im Jahr 1974 habe ich meine Zahnspange kurz vor der Pforte des Opernhauses Wuppertal in eine blaue Seifendose gesteckt, habe den Pförtner gegrüßt und bin – noch bevor er etwas fragen konnte – im Ballettsaal des Tanztheaters Wuppertal verschwunden. Ich bin an jenem Tag dorthin gegangen, um zu erfahren, was mich eigentlich dazu bewegte, dorthin zu gehen.

Pina Bausch war das dritte Kind von August und Anita Bausch, die eine Gastwirtschaft mit einem kleinen Hotelbetrieb in Solingen an der Focher Straße führten.

Meine Eltern mussten viel arbeiten, erzählt sie 2007 in einer Poetikvorlesung in Kyoto. Abends, wenn sie zu Bett gehen sollte, versteckte sie sich in der Gaststube unter den Tischen und harrte dort aus. Was sie sah und hörte, stimulierte ihre Vorstellungsgabe. Sie sei immer eine Zuschauerin gewesen, sagt in dieser Vorlesung «Was mich bewegt» die Choreografin Pina Bausch. Sie sei nie gesprächig gewesen, eher – stumm, fügt sie an.

Sie habe, so eine alte Kritik, zwei Probleme, schreibt die Schriftstellerin Judith Hermann in ihrer Frankfurter Poetikvorlesung 2022: Sie könne nicht schreiben, und sie habe nichts zu erzählen. Ersteres einmal beiseitegelassen, sagt Judith ...

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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Pina Bausch, Seite 64
von Judith Kuckart

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