Erzählen
Eines Tages im Jahr 1974 habe ich meine Zahnspange kurz vor der Pforte des Opernhauses Wuppertal in eine blaue Seifendose gesteckt, habe den Pförtner gegrüßt und bin – noch bevor er etwas fragen konnte – im Ballettsaal des Tanztheaters Wuppertal verschwunden. Ich bin an jenem Tag dorthin gegangen, um zu erfahren, was mich eigentlich dazu bewegte, dorthin zu gehen.
Pina Bausch war das dritte Kind von August und Anita Bausch, die eine Gastwirtschaft mit einem kleinen Hotelbetrieb in Solingen an der Focher Straße führten.
Meine Eltern mussten viel arbeiten, erzählt sie 2007 in einer Poetikvorlesung in Kyoto. Abends, wenn sie zu Bett gehen sollte, versteckte sie sich in der Gaststube unter den Tischen und harrte dort aus. Was sie sah und hörte, stimulierte ihre Vorstellungsgabe. Sie sei immer eine Zuschauerin gewesen, sagt in dieser Vorlesung «Was mich bewegt» die Choreografin Pina Bausch. Sie sei nie gesprächig gewesen, eher – stumm, fügt sie an.
Sie habe, so eine alte Kritik, zwei Probleme, schreibt die Schriftstellerin Judith Hermann in ihrer Frankfurter Poetikvorlesung 2022: Sie könne nicht schreiben, und sie habe nichts zu erzählen. Ersteres einmal beiseitegelassen, sagt Judith ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Pina Bausch, Seite 64
von Judith Kuckart
Ungefähr 1968 erlebte ich in Stuttgart bei einem Gastspiel des Folkwang Ballett das Werk einer jungen Choreografin, das mich unmittelbar begeisterte: «Im Wind der Zeit». Später erfuhr ich: Die Choreografin heißt Pina Bausch. In Amerika war ich mit sehr vielen modernen Choreografien in Berührung gekommen, vor allem durch die hervorragende Tänzerin Sybil Shearer, mit...
Die erste Gelegenheit beim Namen Eyal Dadon aufzumerken, war der «Internationale Wettbewerb für Choreographie» 2015 in Hannover: «Pishpesh» hieß das kleine Duo, mit dem der 1989 geborene Israeli am Wettbewerb teilnahm. Und ihn gewann. Er tanzte selbst und setzte auf nichts anderes als die Wirkung einer intrikaten, hochoriginellen Bewegungssprache. Die Stile gingen...
Mit «Encantado» entführte Lia Rodrigues an der Brooklyn Academy of Music ihr Publikum in eine brodelnde, sich fortwährend wandelnde Welt. Ihre Performer*innen entwickelten sich von Wurzelgemüse über stampfende Tiere zu selbstbewusst umherstolzierenden Menschen, das Finale gleicht einer ausgelassenen, artenübergreifenden Gay-Pride-Parade. Von Justin Pecks neuen...
