Erbe
Die junge Frau hat Angst – Todesangst. Sie tanzt um ihr Leben, gejagt von den schneidenden Klängen und erbarmungslosen Dissonanzen Igor Strawinskys. Elementare, rhythmische Wucht sucht ihren Körper heim. Tänzer nähern sich ihr bedrohlich. Sie sucht ihnen zu entkommen, schlägt die Arme um den bebenden Körper. Und neigt irgendwann, resigniert, den Kopf. Anique Ayiboe aus Togo ist das Opfer in Pina Bauschs wohl berühmtestem Werk «Das Frühlingsopfer» von 1975 – und tanzt es ergreifend.
Erst schüchtern, dann hilflos flatternd wie ein verängstigter Vogel, schließlich panisch wie eine in die Enge getriebene Raubkatze. Ayiboe ist Teil des Ensembles von Tänzer*innen aus 14 afrikanischen Ländern, die die Pina Bausch Foundation eigens castete für diese großartige Kooperation. In Germaine Acognys École des Sables im Senegal südlich von Dakar studierten Jo Ann Endicott, Jorge Puerta Armenta und weitere Probeleiter*innen das Opus Magnum ein. Die Aufführung beweist, dass das Erbe der Wuppertaler Ikone durch die Übergabe an andere Kompanien nicht verlieren muss, sondern, im Gegenteil, durch eine neue Interpretation eine neue Dimension gewinnen kann. Auch wenn die Afrikaner*innen Bauschs ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Pina Bausch, Seite 58
von Bettina Trouwborst
Drei kleine Geschichten, die ich mit Pina erlebt habe, all die Jahre, in denen wir zusammen mit dem Tanztheater um die Welt getanzt sind. In verschiedenen Ländern, Kulturen, Sprachen, geografischen Klimazonen. Wir haben viel getanzt, wir haben viel gelacht, wir haben geweint, wir haben noch mehr getanzt, wir haben wieder gelacht, einige Male erschöpft vor...
Das Tanzgeschehen in Schweden war in der zurückliegenden Spielzeit stärker von Diskussionen um unzureichende Finanzierung und mangelnde Strukturen bestimmt als von genuin künstlerischen Themen und Ereignissen. Es scheint ein gewisser Stillstand im Land zu herrschen, und die mithin nicht ganz neue Frage drängt sich auf: Was muss geschehen, damit sich Schwedens...
Man kann nicht über «50 Jahre Tanztheater Wuppertal» reden, ohne immer wieder über Pina Bausch zu reden. «Das gehört alles zusammen: das Stück, das Ensemble, ich.» So zitierte der Tanzkritiker Jochen Schmidt die Prinzipalin in seinem Buch «Tanzen gegen die Angst. Pina Bausch», das 1998 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums erschienen ist. Das ist 25 Jahre später...
