Duisburg: Sucheană, Forsythe, Schläpfer «b.38»

Als Martin Schläpfer die letzte Sinfonie von Sergei Prokofjew hörte, dachte er an Till Eulenspiegel. Erst kürzlich hatte er Daniel Kehlmanns Erfolgsroman «Tyll» gelesen. Die Spitzfindigkeiten, Verschmitztheiten und Verspieltheiten des Volkshelden hörte er aus der betäubend schönen Musik heraus – aber auch ihre traurige Weisheit und ihren Zynismus. Die Affinität war ohnehin groß: Schläpfer hatte zu Beginn der 1980er-Jahre in Heinz Spoerlis «Till Eulenspiegels lustige Streiche» zur Musik von Richard Strauss seine Paraderolle gefunden.

So steuert der Chefchoreograf des Ballett am Rhein nun zum neuen dreiteiligen Programm «b.38» die «Ulenspiegeltänze» bei.

Eulenaugen-Paare schauen vom Bühnenhimmel in eine mondbeschienene Schelmen-Szenerie. Ihre Blicke sind die von Geheimoffizieren. Gegen Ende des Stücks wird für wenige Sekunden eine Projektion von Stalin im Mond erscheinen. Kein Wunder, dass sich das illustre Ensemble anfangs geduckt auf diesem unsicheren Terrain bewegt. Vorsichtig, wie auf dünnem Eis, setzen die Tänzer in ihren marmorierten Ganzkörpertrikots die Schritte. Auch Prokofjews 7. Sinfonie kündet von verzweifelter Melancholie. Sie ist Prokofjews Gesundheitszustand, kurz vor ...

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Tanz April 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
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