Dortmund: Xin Peng Wang: «Faust I – Gewissen»

Wen interessiert der mürrisch-alte Faust? Es ging doch immer schon um Mephisto: den Geist, der das Böse will, und behauptet, stets das Gute zu schaffen. Dieser Widerspruchskerl hat nun Xin Peng Wang verführt. Für den Choreografen ist der Teufel quirlig wie ein ADHS-Teenager, sexy und begeistert-bös. Gott gibt ihm den Faust als Spielfigur, einen bebrillt-zauseligen Grauschopf, den – kleiner Choreografenscherz – ein Hexenschuss plagt.

Auf den Gliedern von Faust-Tänzer Harold Quintero lastet bleischwer die Intellektuellen-Schlappe: Das Innerste der Welt will sich ihm partout nicht offenbaren, mag er sich in manischer Selbstumdrehung scheinbar noch so tief in den Bühnenboden bohren. Mephisto umschwirrt ihn als Fliegenluzifer, schnörkelt die Hände wie ein Taschenspieler und packt sich den Faust’schen Denkerkopf, um ihn spöttisch hin und her zu werfen. Der gerade mal 20-jährige Dann Wilkinson ist ein fantastischer Mephisto, eine Entdeckung! Elegant-erotisch und exzentrisch, immer auch ein bisschen lächerliches Belzebübchen, das am Ende zu Rammstein-Rock triumphal abhottet. Zuvor hat sich Faust im Bilderrahmen verjüngt und verwandelt – in den Tänzer Javier Cacheiro Alemán, der so brav ...

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Tanz Mai 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Nicole Strecker

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