Die maskierte Gesellschaft

Mund-Nasen-Schutz in allen Farben und Formen – an diesen Anblick werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Was im Alltag lästig ist, dient auf der Bühne der Befreiung. Eine Exkursion in die Geschichte der Masken unternimmt Peter Marx

Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (so neben anderen auch Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind. Und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem, was neuerdings in der (Post-)Corona-Realität «normal» ist. Sichtbares ­Accessoire dieses Kampfes, gewissermaßen Signum der eigenen Gutwilligkeit und Wehrhaftigkeit, ist die Gesichtsmaske, der «Mund-Nasen-Schutz» geworden.

Die bisweilen leicht hingeworfene Abkürzung MNS suggeriert eine Professionalität, die in der Wirklichkeit keine Einlösung findet. Dabei sind die neuen Masken, die oftmals in Heimarbeit unter Aufbietung verschütteter Handarbeitskenntnisse hergestellt wurden, zunächst einmal sichtbares Zeichen von Mangel und Verlegenheit gewesen: Da der Bedarf an professionellen, medizinischen Masken nicht zu decken war, erging der Aufruf zu Heimproduktion. So ist das öffentliche Bild geprägt von einer Farben- und Formenvielfalt, die bisweilen der Ernsthaftigkeit der Situation zuwiderzulaufen scheint.

 

Neben der medizinisch-naturwissenschaftlichen Diskussion um Sinn- und Zweckhaftigkeit der neuen Masken erhebt sich aber eine ...

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Tanz Juli 2020
Rubrik: Traditionen, Seite 38
von Peter Marx