der fluch der karibik

Die «Karibische Nacht» auf Schloss Sanssouci in Potsdam ist ausverkauft. Am 19. Juni wird Chantal Loïal erwartet. Voluminös, farbenprächtig und temperamentvoll verkauft sie mit ihrer Kompanie Difekako und dem Klassiker «Bal-Konsèr» Lebensfreude pur. Wovon die Festspielbesucher kaum etwas ahnen: Chantal Loïal geht es um einen wenig beachteten Umweltskandal in ihrer karibischen Heimat

Chantal Loïal, Sie sind eine choreografische Öko-Botschafterin. Ihr neues Stück «Zandoli pa tini pat» verurteilt die Verwendung krebserregender Pestizide auf Martinique und Guadeloupe, die in Europa schon lange verboten sind.
Der Giftstoff, bei uns als Chlordécone bekannt und verwandt mit DDT, hat die Böden und das Grundwasser verseucht. Mitten im Paradies finden Sie Warnschilder wie: «Wasser trinken verboten! Chlordécone!» Alles, was angebaut wird, ist mit Schadstoffen belastet, besonders die Banane. Sie ernährt die Inseln und dient als Exportprodukt.

Privat hat jeder einen Garten, in dem er Obst und Gemüse anbaut, jeder ist persönlich betroffen. Das Gift wurde zwar auch bei uns verboten, aber zu spät. Die Bevölkerung leidet massiv an Krebs. Bürgerinitiativen versuchen seit 15 Jahren, Politiker für das Thema zu interessieren.

Aber wie soll man die Verwendung von Pestiziden stoppen, wenn wirtschaftliche Interessen im Spiel sind?

Wüsste jeder davon, würde der Bananenexport zusammenbrechen, und die Karibikinseln würden ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Die wirtschaftliche Bedrohung ist bekannt, aber es geht um das langfristige Risiko. Das sehen die Politiker inzwischen auch ...

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Tanz Juni 2010
Rubrik: menschen, Seite 22
von Thomas Hahn

Vergriffen
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