Coppélia

Michaela DePrince und Daniel Camargo tanzen den Klassiker.

Schönheitsoperationen haben es manchmal in sich. Das ist auch bei dem neuen «Coppélia»-Film nicht anders. Coppélius, hier zu einem charismatischen Chirurgen promoviert, verspricht seinen Patienten wahre Wunder: dem Bäckermeister, dem Friseur, selbst Swans Mutter – allen also, die sich kraftlos, gealtert, unvollkommen fühlen. Eben nicht wie Coppélia, prototypisches Erzeugnis einer marktgerechten Perfektionsmethode, die der Doktor in einer deutschen Kleinstadt auf ihre Tauglichkeit erproben will.

Swan, das ist natürlich die Swanilda des «Coppélia»-Balletts, hier zur Betreiberin einer Saftbar mutiert. Geerdet, wenngleich zwischendurch auch auf Spitze tanzend, scheint sie immun gegenüber allen Verlockungen. Klar, sie hat nur Augen für Franz, der gegenüber ein Fahrradgeschäft betreibt. Er ist ganz eindeutig der Schönste im ganzen Land, aber unglaublich schüchtern, und diesen Umstand macht sich die «Ève future», wie wir sie aus dem Roman von Villiers de L’Isle-Adam kennen, auf ihre Weise zunutze: einmal von Coppélia eingenebelt in eine Wolke aus pinkfarbenem Parfum, fühlt sich der Junge wie im siebten Himmel.

Klar, dass ihn Swan von dort wieder herunterholen will. Wie das geschieht, ...

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Tanz Dezember 2021
Rubrik: Tanz im Kino, Seite 16
von Hartmut Regitz

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