Coburg: Martin Chaix, Mark Mcclain «Very British»

In New York geboren, an der John-Cranko-Schule ausgebildet, beim Stuttgarter Ballett als Solist engagiert: Coburgs Ballettdirektor Mark McClain bringt einen Hauch große weite Welt ins oberfränkische Idyll. Coburg ist ein bildhübsches Städtchen, geradezu ideales Ambiente für die kleine, feine Kompanie – zehnköpfig, multidivers und vom Hausherrn im zweiten Teil des neuen Ballettabends «Very British» in eine Gralssaga gesteckt, die Comic-Qualitäten besitzt. Was ein eher unfreiwilliges Ergebnis sein dürfte.

Der Choreograf verführt die fünf Damen und Herren seines knallbunten Camelot dazu, «A cup is a cup is a cup» (Foto) mit so viel Duse-Eifer zu füllen, dass die Narration zur Narretei gerät. So gesehen passen dann auch Edward Elgars schmissige Kompositionen ganz prima. 

Außerhalb der knapp einstündigen Erzählblase ist das Ensemble viel eher in seinem Element. Dafür sorgt Gastchoreograf Martin Chaix, dessen intime «Lachrymae» auf der Bühne des Landestheaters melancholisch glitzern. Weich, ausdrucksvoll und mit unaufdringlicher Innigkeit verwandeln die unisex gekleideten Tänzer John Dowlands um 1600 entstandene Lieder in eine Elegie auf das Leben, die Liebe und beider Vergänglichkeit. ...

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Tanz April 2019
Rubrik: Kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann