cinderella

Christopher Wheeldon macht aus der Erzählnot eine Tugend, indem er die Aschenputtel-Saga kinematografisch und psychologisch verdichtet

Uralter Hut, diese Geschichte: Halbwaise fällt der Wiederheirat des Vaters zum Opfer, fristet als Küchenkraft ihr Dasein und sehnt sich nach prinzlicher Erlösung.

In jeder Märchen-Fibel ist das «Aschenputtel» vertreten, und ob dabei die handfeste Fassung der Gebrüder Grimm oder Charles Perraults eleganter schraffierte Version zum Zuge kommt, ist am Ende egal: Die böse Stiefmutter zieht (samt töchterlichem Anhang) auf jeden Fall den Kürzeren, während das reine Herz an der Seite eines blaublütigen Galans triumphiert, der keine Mühen gescheut hat, um das passende Füßchen fürs verlorene Schühchen zu finden.

Wen soll diese Schmonzette noch interessieren? Welche einigermaßen lebenskluge Frau, welcher halbwegs zurechnungsfähige Mann wird sich mit diesem Yellow-Press-Stoff abgeben wollen? In Amsterdam, wo Christopher Wheeldon Ende 2012 mit Het Nationale Ballet jene «Cinderella» aus der Taufe hob, die das San Francisco Ballet nun über den Atlantik holt, hat das Publikum eine einmütige Antwort gegeben. Stehende Ovationen, als wäre so etwas noch nie dagewesen: ein historisch verbrämtes und doch ganz heutiges Aschenputtel; eine Inszenierung, die auf Schwarzweißmalerei verzichtet und ...

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Tanz Mai 2013
Rubrik: produktionen, Seite 24
von Dorion Weickmann

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