Brief aus Johannesburg
In den wohlhabenden Vororten von Johannesburg fährt man gern den silbergrauen Hyundai SUV. Auf der anderen Seite der Stadt, in den Townships, bevorzugt man weiße Minibusse. Der Choreograf Sello Pesa fährt einen schwarzen VW-Käfer. Ein ungewöhnliches Auto für eine südafrikanische Großstadt. Doch der kleine Käfer führt auch ein ungewöhnliches Leben. Abends parkt er hinter hohen Sicherheitszäunen in den Northern Suburbs, wo Pesa mit seiner schottischstämmigen Frau lebt. Morgens quält er sich durch die verstopften Straßen von Soweto – dem Geburtsort des Choreografen.
Seit Jahren pendelt Sello Pesa zwischen den Welten. Zwischen Township und Vorort, Tanzstudio und Familienwohnsitz, arm und reich, schwarz und weiß.
Auch 15 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid beeinflusst die kulturelle Segregation in Johannesburg Tanzschaffende und ihr Publikum. Ein Großteil der weißen Minderheit meidet den Weg nach Soweto oder nach Downtown. Umgekehrt ist die Zahl jener Schwarzen, die an Kulturveranstaltungen in den reicheren Vororten teilnehmen, mehr als niedrig.
Zwar haben die Stars der heimischen Tanzszene – Sello Pesa, Boyzie Cekwana oder der kürzlich verstorbene George Khumalo – diese Hürde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Brief aus Cali
Brief aus Prag
Brief aus Haifa
Das Foto in ballet-tanz 5/09 auf S. 21 zeigt mit Sicherheit nicht Nijinsky als Goldenen Sklaven. Ich tippe auf Mikhail Fokine. Auch bei der Partnerin habe ich Zweifel. Sie sieht mir eher wie Vera Fokina aus. Fokine ist aber auch häufig der Partner von Karsavina gewesen. Da ich nicht annehme, dass es Ihnen an Sorgfalt mangelt, könnte sich die spezifische Ambiguität...
Salia Sanou und Seydou Boro gehören zu den Aushängeschildern eines zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, den es, glaubt man Germaine Acogny im Senegal, gar nicht gibt.
Das z-Adjektiv steht in Afrika vor allem für «europäischen» Tanz. Aber was wäre die Kompanie Salia nï Seydou, hätten die beiden nicht vor 16 Jahren in Montpellier bei Mathilde Monnier ihre ersten...
Carolyn Carlsons Soli verdienen regelmäßig Standing Ovations für die Pariser Solo-Königin. Dutzende Stücke schuf sie für sich und gut zwanzig Soli für andere Tanzkünstler. «Man muss sich mit sich selber konfrontieren», sagt sie, «darum Soli». Ein solcher Abend kommt nun auch auf das finnische Kuopio zu, für das exakt vierzig Jahre alte Festival von Jorma Uotinen....
