Blinde Spiegel

Sharon Eyal trifft Dior

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Es spukt in Versailles. Sharon Eyal, die israelische Choreografin, hat eine erratische zehnköpfige Tanzmeute durch die royalen Treppenhäuser gejagt, dorthin, wo das Modelabel Christian Dior seine Herbst/Winter-Kollektion 2021/22 zeigt. Tänzerinnen in hautengen Trikots kontrastieren mit zu allem entschlossenen Models in durchsichtigen Röcken und blauen Kaschmirmänteln und Kapuzencapes – die Antwort der Designerin Maria Grazia Chiuri auf Eyals tanzende Feen, Untote und Uniformierte.

Sie sucht die Rebellion der Mode gegen den Gleichschritt, gegen Anpassung und Fügung und trifft damit sicher den Zeitgeist. Inspiriert von Jean Cocteaus «La Belle et la Bête» setzt Chiuri Kontraste in Szene: zur Kunst von Sharon Eyal, deren Kompanie fünf vor zwölf aus dem Nebelwald tritt, sich bei Vollmond vor dem Schloss formiert, um, angeführt von Eyal höchstselbst (Foto), vor der Installation «Hall of Shadows» der italienischen Künstlerin Silvia Giambrone im Spiegelsaal zu tanzen – hautnah heran an die spitzen Stacheln, die aus den blinden Spiegeln ragen.

Gemeint ist Gewalt gegen Frauen. Zu ihrem Werk von 2021 sagt die Künstlerin: «Es geht um Konflikt anstelle von Macht.» Auch das kontrastiert mit der ...

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Tanz Mai 2021
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann

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