Berlin: Alexander Ekman «Lib», Sharon Eyal «Strong»

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Bereits im Foyer der Komischen Oper zieht eine haarige Gestalt alle Blicke auf sich. Eine Installation aus aufgetürmten Haarschöpfen thront auf den Schultern eines schick gekleideten Tänzers, der so lässig den Raum durchschreitet, wie es mit dieser überdimensionierten Perücke nur möglich ist. Es ist der Auftakt zu «LIB» von Alexander Ekman, verabreicht zusammen mit Sharon Eyals «Strong» vom Staatsballet Berlin – Premiere rund eineinhalb Monate, bevor dessen Doppelspitze zusammenbricht (siehe S. 1).

 

«LIB» steht für «liberation» (Befreiung) und lässt dem Ballettbetrieb tatsächlich die Haare zu Berge stehen. Der Auftritt der Ballerinen Elisa Carrillo Cabrera, Aurora Dickie, Ksenia Ovsyanick und Polina Semionova wirkt wie eine übertriebene Zurschaustellung ihrer Virtuosität. Nacheinander demonstrieren sie athletische Übungen und spektakuläre Körperverrenkungen, die entgegen aller Ballett-Ideale nicht mühelos, sondern betont unwahrscheinlich sportlich aussehen: Sprung in den Spagat, Arabesque, Grand jeté, Landung auf ganzer Spitze. Und dazu ertönt: «I can‘t get no  satisfaction». Ihre stählernen Körper wirken nackt und doch nicht ausgezogen, weil in Strumpfhosen gehüllt. Sie ...

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Tanz März 2020
Rubrik: Kritik, Seite 36
von Alexandra Hennig

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