Alan Lucien Øyen «Nothing Personal»
In seinem 1964 erschienenen Essay «Nothing Personal» zappt sich der US-Schriftsteller und Schwarze Bürgerrechtsaktivist James Baldwin mit der Fernbedienung durch TV-Werbespots. Der norwegische Choreograf und Regisseur Alan Lucien Øyen hat nicht nur Baldwins Titel für seine neue Arbeit mit der Kompanie des Norske Opera & Ballet entlehnt, er lehnt sich ebenso an die Dramaturgie des Textes an: Auf dem riesigen Holzboden der von Åsmund Færavaag entworfenen Bühne reihen sich kurze Szenen clipartig aneinander.
Requisiten und Prospekte wachsen aus der Spielfläche heraus, das gilt auch für die Cops, die an die zweite Episode in Baldwins Essay denken lassen: seine rassistisch motivierte Festnahme am Broadway. Øyen überträgt Baldwins Bestandsaufnahme des durchkommerzialisierten Nachkriegs-Amerikas auf die heutige Überformung persönlicher und politischer Begegnungen durch Soziale Medien, KI und Big Data. Indem Darsteller*innen von Tänzer*innen gespiegelt werden und Performer*innen einander als Zwillings-Avatare gegenübertreten, entstehen Echokammern auf der Bühne, durch die – wiederkehrende Motive aus Øyens schöpferischem Kosmos – der Tod und gespensterhafte Familienmitglieder wandeln.
Dazu ...
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Tanz November 2023
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Hild Borchgrevink
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