Alan Lucien Øyen «Nothing Personal»
In seinem 1964 erschienenen Essay «Nothing Personal» zappt sich der US-Schriftsteller und Schwarze Bürgerrechtsaktivist James Baldwin mit der Fernbedienung durch TV-Werbespots. Der norwegische Choreograf und Regisseur Alan Lucien Øyen hat nicht nur Baldwins Titel für seine neue Arbeit mit der Kompanie des Norske Opera & Ballet entlehnt, er lehnt sich ebenso an die Dramaturgie des Textes an: Auf dem riesigen Holzboden der von Åsmund Færavaag entworfenen Bühne reihen sich kurze Szenen clipartig aneinander.
Requisiten und Prospekte wachsen aus der Spielfläche heraus, das gilt auch für die Cops, die an die zweite Episode in Baldwins Essay denken lassen: seine rassistisch motivierte Festnahme am Broadway. Øyen überträgt Baldwins Bestandsaufnahme des durchkommerzialisierten Nachkriegs-Amerikas auf die heutige Überformung persönlicher und politischer Begegnungen durch Soziale Medien, KI und Big Data. Indem Darsteller*innen von Tänzer*innen gespiegelt werden und Performer*innen einander als Zwillings-Avatare gegenübertreten, entstehen Echokammern auf der Bühne, durch die – wiederkehrende Motive aus Øyens schöpferischem Kosmos – der Tod und gespensterhafte Familienmitglieder wandeln.
Dazu ...
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Tanz November 2023
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Hild Borchgrevink
SELMA SELMAN
In ihrer Performance «Motherboards» zerlegen Selma Selman und ihre Familie Elektroschrott. In «Mercedes Matrix» wird ein Luxusfahrzeug zerstört. Und in «Platinum» landen Autowracks im Kunstraum. Selman hinterfragt damit rassistische Stereotypen, die die 1991 in Bosnien-Herzegowina mit Rom*nja-Hintergrund geborene Künstlerin prägen – und hat sich so zu...
Vorschau:
Kat Válastur
Als Tänzer eine herausragende Erscheinung, als Choreograf noch ziemlich in den Kinderschuhen – und als Ballettchef ein völliger Neuling: Ab kommender Spielzeit rückt der frühere Star des Semperoper Balletts an die Spitze des Ballett am Rhein. Und zwar nicht im Alleingang. Wer ist der Mann?
Raphaël Coumes-Marquet
Eben erst hat sie mit...
Opernballett Flandern
WEGWEISENDE NEUERUNGEN
Die Mitteilung kam Anfang Oktober und verkündete schon fast eine Revolution: Das Opernballett Flandern (nix mehr mit Royal Ballet Flanders …) gibt seinen Tänzer*innen künftig Verträge, die länger laufen als eine Saison – «indefinite contracts», wie es aus Antwerpen hieß. Damit will man der work-life-balance der...
