Abschied: Andrzej T. Wirth

1927 geboren, war er noch Augenzeuge des Warschauer Aufstands 1944. In den 1960er-Jahren entkam er, wie sein Freund, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der poststalinistischen Intellektuellen-Hatz in Polen und ging, mit Bertolt Brecht unterm Arm, in die Vereinigten Staaten. 1982 kam er, mit Robert Wilson im Gepäck, nach Gießen, um den Studiengang Angewandte Theaterwissenschaft zu gründen: das legendäre Institut, das erstmals nicht vom Drama aus, sondern vom Körper her das Theater als physisches Ereignis dachte.

Die Angewandte Theaterwissenschaft (ATW) war ein Akronym seines Namens, Andrzej Tadeusz Wirth. Seine charmante Art, eitel und gescheit zugleich zu sein, ließ ihn als Weltbürger über Theatersparten genauso hinweg tanzen wie über Ländergrenzen. In Gießen engagierte er Emma Lewis Thomas, die Wigman-Schülerin aus Los Angeles, um postmodernen Tanz, später George Tabori und Heiner Müller, um postdramatisches Theater zu unterrichten, die Avantgarde jener Zeit, um das Theater aus dem «Gefängnis seiner Traditionen» zu befreien. 

Seine Kinder: Theaterkollektive wie She She Pop, Rimini Protokoll, Showcase Beat Le Mot, Monster Truck, Gob Squad. Es entstand der Begriff der ...

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Tanz April 2019
Rubrik: Side Step, Seite 20
von Arnd Wesemann