Mit Lust

Antje Pfundtner wird auch als choreografische Humoristin mit dem Tanzpreis geehrt, meint Falk Schreiber

Am Ende kriecht Antje Pfundtner in ein vasenähnliches Gefäß und schaukelt vor sich hin. Und schaukelt. Und schaukelt. Und grinst kaum merklich ins Publikum, das nicht so recht weiß: Ist das Solo «Sitzen ist eine gute Idee» jetzt vorbei, oder passiert noch was? Und Pfundtner schaukelt weiter. Zuvor hat die Choreografin und Tänzerin ihr Scheitern thematisiert, ihre Unlust, an einer Stelle hat sie in die Hose uriniert, mit anderen Worten: sich konsequent angreifbar gemacht.

Nur um als Höhepunkt in eine ruhende Position zu kommen, ins Schaukeln, ins souveräne Loslassen, ins ironische Ausläppern des Stücks. Das ist humorvoll, nicht im Sinne von Schenkelklopfern, sondern als Hinterfragen von Schwere. «Humor ist etwas, das sehr zu mir gehört», bestätigt Pfundtner. «Und Humor ist eine Möglichkeit, mit fragilen Momenten zu spielen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass etwas lustig ist, sondern auch damit, dass etwas kippen kann.» Außerdem ist der Humor ein Heilmittel gegen den bierernsten Charakter, der den zeitgenössischen Tanz prägt: «Wenn sich etwas zu ernst nimmt – das ist schon schlimm!»

Wenn Pfundtner, die dieses Jahr beim «Deutschen Tanzpreis» eine Ehrung für «herausragende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2020
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Screening 10/20

Necropolis

Seit 1993 protokolliert das Netzwerk «United for Intercultural Action» die Zahlen von Flüchtlingen und Migranten, die auf dem Weg aus Krisengebieten, ja selbst an vermeintlich sicheren Zufluchtsorten ihr Leben verlieren. Im Juli 2020 verzeichnete die Statistik fast 41 000 Tote, und jede einzelne Ziffer steht für ein dramatisches Schicksal. Der Choreograf...

Kreation: Lieben sie Gershwin?

Was für eine Frage! Natürlich schätzt Marco Goecke die Songs von George Gershwin über alles – sein Gershwin-Special bei Gauthier Dance Stuttgart wird ab 7. Oktober indes hauptsächlich zu «Rhapsody in Blue» und zum Klavierkonzert in F-Dur getanzt. Immer unter strengster Beachtung der Hygiene-Regeln, versteht sich. Schließlich hat der Direktor des Staatsballetts...

Agnès Noltenius: Neue Leiterin der Mannheimer Akademie des Tanzes

Agnès Noltenius, Sie haben in Paris studiert und auch Ihre Ausbildung zur Tanzpädagogin in Frankreich absolviert – sehen Sie einen Konflikt mit dem Unterricht in Mannheim, der auf der Waganowa-Methode basiert? Waganowa-orientiert stimmt, aber wir sind flexibel. Es ist mir wichtig, auch andere Methoden einzubringen, damit die Studenten in den Stilen beweglich sind....