Warteschleifen: the Köln Concert

Ende September 2020: Die Hamburgische Staatsoper darf ein Viertel ihrer Plätze verkaufen, in Berlin rückt die Zwei-Drittel-Auslastung in Sichtweite, in der Pfauen-Spielstätte des Zürcher Schauspielhauses sind 50 Prozent das Maximum – mit Mund-Nasen-Schutz über die gesamte Aufführungsdauer.

In Großbritannien wird zaghaft das eine oder andere Theater wiedereröffnet, aber Londons Royal Opera House muss sich weiterhin mit Streamings behelfen – wie lang soll das so gehen? Wieso darf die Bahn auch rappelvoll weiterbrausen, dürfen die Airlines das Sardinenbüchsen-Prinzip praktizieren – aber die Kultur muss weiterhin auf die Publikumsbremse treten?! Mit absehbar verheerenden Folgen, je länger die Ausfälle anhalten. Man muss nicht in den Chor derer einstimmen, die numerische Restriktionen als Ausdruck genereller Kulturignoranz und politischer Indifferenz beklagen, um sachlich festzustellen: Es wird mit zweierlei Maß gemessen. So wie in der Bankenkrise zwischen systemrelevanten Instituten und dem Rest unterschieden wurde, darf ein Superspreader wie der Fleischfabrikant Tönnies weitermachen, während die Kulturbranche darniederliegt. Erst kommt das Fressen …

Ferne Erinnerung an bessere ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Side Step, Seite 23
von Dorion Weickmann

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